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Berufspraxis zählt: Zahl der Studierenden ohne Abitur so hoch wie noch nie

Rechts-, Sozial- oder Ingenieurswissenschaften: Diese Fächer sind bei Studierenden ohne Abitur besonders beliebt. Und von ihnen gibt es immer mehr. Die Zahl derer, die den dritten Bildungsweg einschlagen, hat sich in den letzten Jahren verdoppelt.

Vorlesungssaal einer Universität: Auch ohne Abitur ist der Weg nicht versperrt

Mit ausreichender Berufspraxis ist es möglich, sich auch ohne Abitur für ein Studium zu qualifizieren

DPA

Studieren ist beliebt - auch bei Menschen ohne Abitur. Seit 2010 hat sich die Zahl der Studierenden, die nicht über die allgemeine Hochschulreife oder die Fachhochschulreife verfügen, mehr als verdoppelt. Entscheidend ist bei ihnen die Berufspraxis. Selbst zu einem begehrten Fach wie Medizin kann der alternative Weg führen.

Hochschulen sind besonders beliebt

Wie aus einer aktuellen Erhebung des CHE Centrums für Hochschulentwicklung hervorgeht, studierten 2016 rund 56.900 Personen ohne Abitur in Deutschland. 55 Prozent der Studienanfänger ohne Abitur wählen laut CHE ein Fach aus den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Jeder Fünfte studiert Ingenieurwissenschaften. Knapp zwei von drei entscheiden sich für ein Studium an einer Fachhochschule oder einer Hochschule für angewandte Wissenschaften.

Männer sind bei den Studierenden ohne Abitur mit 55 Prozent etwas mehr vertreten als Frauen mit 45 Prozent. Fast jeder Zweite ist laut der CHE-Erhebung älter als 30 Jahre. Die 30- bis 40-Jährigen sind mit einer Quote von rund einem Drittel relativ häufig anzutreffen.

Studium ohne Abitur

Die Möglichkeit über den sogenannten dritten Bildungsweg sich auch über Berufspraxis für ein Studium zu qualifizieren, gibt es deutschlandweit seit fast zehn Jahren. So kann etwa die Note der Meister- oder Fachwirtprüfung die Abitur-Note bei der Bewerbung um einen Studienplatz ersetzen. Auch Fächer mit beschränkter Zulassung wie Medizin und Pharmazie können Studienanfänger so belegen. So haben 700 von 107.000 Medizinstudenten kein Abitur.

Der Anteil der Studienanfänger ohne Abitur an allen Anfängern liegt laut CHE bei 2,6 Prozent. Der Anteil der Studenten ohne Abitur insgesamt liegt bei 2 Prozent. Die Zahl derjenigen, die ein Studium ohne Abitur erfolgreich abschließen, ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. 2016 erreichte sie mit 7200 Absolventen ihren vorläufigen Höchstwert.

"Die Kombination von Berufs- und Hochschulbildung wird immer mehr zum Normalfall", sagte CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele. "Gelernte Krankenpfleger oder Handwerksmeisterinnen sind heute keine Exoten mehr auf dem Campus, sondern gehören zur selbstverständlichen Vielfalt der Studierenden an deutschen Hochschulen."

Vordere Plätze beim Anteil der Studienanfänger ohne Abitur belegen Hamburg (4,6 Prozent), Nordrhein-Westfalen (4,2 Prozent) und Berlin 3,6 Prozent). Schlusslicht ist laut CHE das Saarland mit 0,8 Prozent.

fri / DPA
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