Wowereit-Autobiografie "Wir wollten an die Körper"


Er ist der vermeintliche Party-Prinz der SPD und der tatsächliche Regierende Bürgermeister Berlins - und er ist einer, der bundesweit noch etwas werden will. Jetzt erscheint Klaus Wowereits Autobiografie, in der er süffig von heißen Küssen, Fummeleien und seiner "First Lady" berichtet.

Den Satz, mit dem er sich als erste deutscher Spitzenpolitiker zu seiner Homosexualität bekannte ("Ich bin schwul, und das ist auch gut so"), hat Klaus Wowereit auch zum Titel seiner Autobiografie gemacht. In dem Buch, das am 20. September erscheint, will der Regierende Bürgermeister Berlins erklären, "was mich treibt". Für alle, die nicht bis Donnerstag warten wollen, darf die "Bild"-Zeitung vorab einige Auszüge veröffentlichen.

"Jugend forscht" im Partykeller

In den Auszügen erzählt Wowereit von seiner Jugend, und wie sein Ansehen in die Höhe schoss, als sich unter den Mitschülern herumsprach, "dass es bei Wowereits einen Partykeller gab, aber keine überbehüteten Eltern". Er erzählt von innigem Geschnäbel mit einer "Sabine" zu Schmusesongs von Moody Blues, und dass er es kaum erwarten konnte, wenn auf einer Fete endlich das Licht ausging. "Jugend forscht" nannte er diese Zeit: "Wir wollten an die Körper, das war ja gesellschaftlich verordnete Pflicht im Zuge der ganzen sexuellen Revolution."

In seiner Studentenzeit dämmert "Wowi" dann, dass er wohl doch ein bisschen anders tickt - trotz eines Hangs zu blonden Damen: "Ich ahnte, dass ich mich eher zu Männern hingezogen fühlte." Zwei langjährige Beziehungen mit Frauen später ist aus der Ahnung Gewissheit geworden, doch die ersten Beziehungen zu Männern scheitern. Als er die Verzweiflung und das Selbstmitleid satt hat, gibt er die Suche nach einem festen Partner auf. Und dann "stand plötzlich Jörn in meinem Leben, in der 'Bar Centrale' an der Yorckstraße."

Der Kerl, "der sich als ausgesprochen angenehmer Zeitgenosse erwies", hatte allerdings einen kleinen Makel: Er war mit dem schleswig-holsteinischen FDPler Wolfgang Kubicki verwandt. "Wenn ich das damals gewusst hätte, hätte ich es mir vielleicht noch einmal anders überlegt," erinnert sich Wowereit. Schnell ist ihm klar, dass er in Jörn Kubicki den lang vermissten Lebenspartner gefunden hat - und dass er sich nun nichts mehr vormachen konnte. "Ich kannte so viele Homosexuelle, die eine bürgerliche Existenz führten, mit Ehe, Kindern und Reihenhaus - und in dieser Situation endlos litten", heißt es in einem Auszug in der "Bild". Wowereit war schnell klar, dass er kein Leben führen wollte, das auf Angst und Verstellung basiert.

Allerdings ist der tabulose Umgang mit Homosexualität in der Generation des 53-jährigen Wowereit kein selbstverständlicher. So wächst auch die Angst vor einer Schmutzkampagne, als er sich entschließt, für die SPD in den Kampf um das Bürgermeisteramt der deutschen Hauptstadt zu ziehen. Doch krampfhaftes Verheimlichen ist seine Sache nicht: "Guido Westerwelle hat ebendies eine Weile lang versucht. Man verkrampft zwangsläufig und gerät in seltsame Situationen." Ihm bleibt die Flucht nach vorne.

Triumphales Outing

Ein internes Outing bei einer SPD-Fraktionssitzung ("Wer es noch nicht weiß, der sollte es wissen") sickert über die schwulen Linken in die Szene. Ein Berliner Schwulenmagazin gibt dazu eine Presseerklärung heraus - nun gibt es für Wowereit kein Zurück mehr. Auf dem Parteitag sagt er deshalb zum Schluss seiner Rede, jenen Satz, der zum bekanntesten seines Lebens werden sollte: "Ich bin schwul, und das ist auch gut so." Die Reaktionen darauf treten ein mediales Echo los, das Wowereit in jede Talkshow, jedes Magazin - und auf den Bürgermeisterposten spült.

Immer an seiner Seite: Freund Jörn Kubicki, 41. Der Arzt ist sein Ruhepol. Meckert über seine musikalische Vorliebe für Kuschelrock-CDs, seinen Bauch - und gehört nicht in den Politikbetrieb. Dass er bisweilen als "First Lady" bezeichnet wird, versuchen beide, witzig zu finden. "Mit Professor Sauer, dem Ehemann von Angela Merkel, hat er ja jetzt einen Leidensgenossen im Damenprogramm", so Wowereit. Und macht dem Lebensgefährten der letzten 14 Jahre ein wunderschönes Kompliment: "Wo er ist, da bin ich zu Hause."

spi

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker