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Müde – oder wütend? Ärztin kritisiert Corona-Maßnahmen: Fehlendes Konzept mache "mütend"

Bilder zeigen wie Corona die Welt verändert h
Sehen Sie im Video: Diese zehn Situationen zeigen, wie dramatisch das Coronavirus unser Leben verändert.




Das Leben in Deutschland hat sich seit dem Ausbruch des Coronavirus schlagartig verändert.  
Es gibt kaum einen Lebensbereich, auf das das Virus keine Auswirkungen hat.  
  1. Reisen 
Früher waren die Flughäfen und Flugzeuge voll. Heute zeigt sich ein anderes Bild. Laut Statista gab es 2020 in Deutschland rund 132 Millionen Flugpassagiere weniger als 2019. 
Weltweit gab es 2020 sogar rund 64 Prozent weniger Fluggäste. 
  1.  Sport 
Wo früher eng an eng Muskeln trainiert wurden, herrscht heute gähnende Leere. Sportstudios haben geschlossen, viele lokale Sportvereine leiden unter fehlenden Mitgliederbeiträgen. Große Sportevents wie die Olympischen Spiele wurden abgesagt. Die Fußball-Bundesliga-Vereine dürfen spielen – aber ohne Zuschauer in den Stadien.  
  1. Kultur 
Theater, Clubs, Konzerte, Kino – früher die wohl belebtesten Orte der Republik. Heute: nichts. Und die Aussichten bleiben düster: Für 2021 rechnet eine neue Studie mit Umsatzverlusten von mehr als 30 Milliarden Euro in der Kultur- und Kreativwirtschaft. 2020 lagen die Verluste bei 22,4 Milliarden Euro. 
  1. Lernen 
Lehrer stehen vor ihren Schülern, erklären und helfen vor Ort. Heute gibt es das, wenn überhaupt, nur mit Mundschutz und Abstand. In den Lockdown-Phasen wird aber vor allem auf Homeschooling gesetzt. Unterricht zu Hause in Eigenregie – und teilweise vor dem Computer.  
  1. Religion 
Gottesdienste, in denen gesungen und im engen Beisammensein gebetet wird, das war einmal. Unter strengen Hygienevorschriften dürfen Gottesdienste nach wie vor stattfinden. Viele Gemeinden übertragen die Andachten aber auch online im Live-Stream.  
  1. Treffen 
Eine Umarmung, ein Küsschen, ein Handschlag. Was früher zum Begrüßen oder Verabschieden völlig normal war, ist heute ein absolutes No-Go. Ob sich der Ellbogen-Check oder der Foot Shake auch nach Corona noch durchsetzen werden?  
  1. Arbeiten 
Der durchschnittliche Weg zur Arbeit betrug 2018 in Deutschland fast 17 Kilometer. Heute reicht er oft wenige Schritte vom Bett zum Computer. Für viele ist das Homeoffice Segen und Fluch zugleich. Wo früher in der Pause nett mit Kollegen bei Kaffee geplauscht wurde, wird heute die Spülmaschine ausgeräumt. Laut einer Studie des Frauenhofer-Instituts gaben rund 30 Prozent der Unternehmen an, dass die Produktivität ihrer Mitarbeiter gestiegen sei, bei über der Hälfte sei sie gleichgeblieben. 
  1. Dating 
Früher fanden erste Dates im Café, Bar, Restaurant, Kino und Co. statt. Das ist heute – auch unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes – schwierig. Das Online-Dating boomt auf jeden Fall. Laut einer Studie der Hochschule Fresenius in Köln werden Dating-Apps und Online-Plattformen in der Pandemie noch intensiver genutzt. 
  1. Gesundheit 
Auch vor der Pandemie waren viele Krankenhäuser in Deutschland gut ausgelastet. Viele Intensivstationen in Krankenhäuser arbeiten während der Corona-Pandemie hart an der Belastungsgrenze. Um für Covid-19-Patienten genügend Betten und Personal in Reserve zu haben, streichen viele Kliniken anderweitige Behandlungen. Einige Stationen bleiben dadurch fast leer. Einige Kliniken haben 2020 erhebliche Gewinneinbußen zu verzeichnen.  
  1. Urlaub und Hotels
Vor der Pandemie waren Hotels in Tourismusregionen in Deutschland gut gefüllt. Ein Jahr später kämpfen viele ums Überleben. Während der Lockdowns gelten Beherbungsverbote, die für viele Hotels erhebliche Umsatzeinbußen bedeuten. Insbesondere kleinere Unternehmen mit nur geringen finanziellen Reserven sind laut Statista stark von dem durch COVID-19 ausgelösten Nachfragerückgang betroffen. Insgesamt meldeten 45 Prozent der in einer Umfrage befragten Unternehmen mögliche Verluste in Höhe von 10.000 bis 50.000 Euro. 

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Raus aus dem Lockdown – und ab in den nächsten. "Pandemiemüde" ist der ewig schwelende Begriff, der es bei vielen Menschen zu treffen scheint. Carola Holzner ist Ärztin und machte auf Social Media ihrer Genervtheit Luft.

Bei einem erneuten Corona-Gipfel der Ministerpräsident:innen debattieren diese am Montagnachmittag über die Corona-Maßnahmen. Das Kanzleramt will eine verschärfte Verlängerung, so viel ist nach einem am Sonntag veröffentlichten Entwurf schon einmal klar. Zur Debatte stehen auch Ausgangssperren, die Menschen in Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg wohl bekannt sein dürften. Dabei wurde erst vor zwei Wochen gelockert – zumindest in manchen Ländern, und dann doch wieder nur für Friseure, Blumen- und Buchläden. Die permanenten Regeländerungen sorgen bei vielen Menschen nicht nur für Verwirrung, sie sorgen auch dafür, dass die Kritik an der Bundesregierung und ihren Beteiligten stetig wächst.

So geht es auch einigen Ärzten, die sich in der Vergangenheit immer wieder auf Sozialen Medien geäußert haben, auch Carola Holzner. Holzner ist Fachärztin für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin und bloggt als "Doc Caro" in Sozialen Netzwerken über ihren Alltag als Medizinerin. Besonders das Pflegepersonal und die Ärzte in den Kliniken spüren an vorderster Front, wenn die Beschränkungen angezogen werden, dann wieder gelockert werden, beides meist kritisiert als zu früh oder zu spät. Holzner nennt ihren neuen und sehr akuten Gemütszustand "mütend", eine Mischung aus müde und wütend.

„Dieses politische Rumgeeiere (auch wenn bald Ostern ist) erträgt doch keiner mehr“

Doc Caro ärgert sich vor allem über das politische Hin und Her, das Masken, Schnelltests, Impfstoffe und Schulen betrifft: "Auf – zu – halb auf – bisschen auf – Friseure – Schulen – Gastro. Kinder = Pandemietreiber nein, dann ja. Oder doch eher vielleicht? Konzept in Schulen? Fehlanzeige. Es gibt ja Fenster", ärgert sie sich auf Facebook und Instagram. Sie scheint einen Nerv zu treffen. Über 63.000 Menschen gefällt ihr Post, über 50.000 Mal wurde er geteilt (Stand Montagnachmittag).

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Instagram integriert.
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Die über 6.000 Kommentierenden stimmen ihr häufig zu, vor allem was ihre Kritik an der Kommunikationsstrategie der Bundesregierung angeht: "Uns fehlt nicht nur ein Ende in Sicht, sondern einfach ein Konzept. Und zwar eins, was alle auch verstehen. Wir können nur Entscheidungen mittragen, die wir auch nachvollziehen können. Die nicht nur Sinn haben, sondern auch sinnvoll kommuniziert werden."

Pandemiebekämpfung statt Wahlkampf mache die Menschen weniger "mütend"

Viele der Kommentierenden teilen diese Sicht und zeigen Solidarität mit dem Krankenhauspersonal. Doch Sätze wie "Ich werde nicht wegfliegen. Ich werde mich weiter an Regeln halten, die ich für sinnvoll erachte", sind Wasser auf die Mühlen einiger Corona-Leugner, die sich ebenso unter dem Post versammeln. Wasser auf die Mühlen jener Menschen, für die der sogenannte Lockdown, der im Vergleich mit Ländern wie Frankreich oder Spanien kaum als solcher zu bezeichnen ist, lediglich eine vorgeschobene Maßnahme der Regierung zur Gängelung der Bürger ist.

Dabei stellt Carola Holzner nicht die Pandemie an sich in Frage, sondern viel mehr den Umgang damit. Deshalb sollten alle gemeinsam an einem Strang ziehen, fordert sie: "Zum Wohle der Gesundheit. Das sollte ganz oben stehen."

mkb

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