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60 Jahre Auschwitz-Befreiung: Die Erinnerung wach halten

An den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz auf dem ehemaligen KZ-Gelände nehmen 29 Staats- und Regierungschefs teil. Deutschland wird durch Bundespräsident Horst Köhler vertreten.

Zum 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar ist auf dem ehemaligen Lagergelände nahe Krakau ein umfangreiches Programm geplant, in das auch Auschwitz-Überlebende und ehemalige Soldaten der Roten Armee eingebunden sind. Während der offiziellen Zeremonie werden neben dem polnischen Präsidenten Aleksander Kwasniewski, der israelische Präsident Mosche Katzav und der russische Präsident Wladimir Putin sprechen. An den Feierlichkeiten wollen aber auch der französische Präsident Jacques Chirac, als amerikanischer Regierungsvertreter US-Vizepräsident Dick Cheney sowie der Präsident des EU-Parlaments, Manuel Barroso, teilnehmen. Deutschland wird durch Bundespräsident Horst Köhler vertreten. Als Vertreter des Vatikans will Kardinal Jean-Marie Lustiger eine Botschaft des Papstes verlesen.

Zusammentreffen von Jung und Alt

Der Vormittag des 27. Januar ist der Begegnung zwischen Jung und Alt vorbehalten. "Let my people live" heißt das Forum, in dem junge Menschen aus aller Welt mit Auschwitz-Opfern und Zeitzeugen zusammentreffen. Für die Organisatoren ist diese Veranstaltung von besonderer Wichtigkeit, weil sie doch zeigt, dass die Erinnerung an den Völkermord in Auschwitz und in anderen Konzentrationslagern wach gehalten wird.

Zu Beginn des Forums will Kwasniewski Veteranen der Roten Armee auszeichnen. Im Anschluss daran übergeben junge Leute eine Botschaft mit dem Titel "Fragen an die Vergangenheit und die Zukunft" an Chirac als den ältesten Vertreter des diplomatischen Corps. Auch Köhler will auf dem Forum zu den Gästen sprechen.

Vor den offiziellen Gedenkfeierlichkeiten finden zwei Einweihungen statt. Chirac eröffnet auf dem Gelände des Konzentrationslagers einen Pavillon zur Erinnerung an französische Gefangene und Prinz Edward will eine Gedenktafel für englische Kriegsgefangene enthüllen.

Erinnerung an ermordete Sinti und Roma

Bei den offiziellen Feierlichkeiten, die am Nachmittag beginnen, werden auch zwei ehemalige Häftlinge zu Wort kommen. Stellvertretend für die in Auschwitz ermordeten Roma und Sinti wird der Vorsitzende des Zentralrates, Romani Rose, eine Ansprache halten. Die Nazis ermordeten rund 500.000 Roma und Sinti. Allein in einer Nacht im August 1944 starben 2.900 von ihnen in den Gaskammern von Auschwitz. Insgesamt waren in dem Vernichtungslager gut 20.000 Roma und Sinti deportiert. Im Anschluss an weitere offizielle Ansprachen finden gemeinsame Gebete statt.

Für Bundespräsident Köhler ist die Teilnahme an den Gedenkfeiern in Auschwitz seine zweite offizielle Reise nach Polen. Dem östlichen Nachbarn galt sein Antrittsbesuch als Staatsoberhaupt im Juli. "Polen hat einen besonderen Platz in meiner Biografie", begründete er damals seine Entscheidung. Köhler wurde im polnischen Skierbieszow geboren. Zuvor war seine deutschstämmige Familie aus Rumänien vertrieben worden. Die Antrittsreise nach Warschau und Danzig wurde in Polen als besondere Geste des Vertrauens gewertet. 1996 hatte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt.

Susann Kreutzmann/AP / AP