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ABSPALTUNGEN: Splittergruppen der Terrororganisation

Die Irisch-Republikanische Armee (IRA) war jahrelang die aktivste Terrororganisation der katholischen Nationalisten in Nordirland.

Die Irisch-Republikanische Armee (IRA) war jahrelang die aktivste Terrororganisation der katholischen Nationalisten in Nordirland. Bombenanschläge und Morde der Organisation forderten Hunderte Tote. In Zeiten, in denen der Frieden eine Chance bekam, spalteten sich von der IRA aber mehrmals Splittergruppen ab, die den bewaffneten Kampf für ein vereintes Irland fortsetzten.

Die Irisch-Nationale Befreiungsarmee (Inla) entstand 1975, als die IRA längere Zeit einen Waffenstillstand einhielt. Die Inla verübte im Juni 1974 ein Bombenattentat, der mehrere Dutzend Verletzte forderte. Die Inla wurde auch später für zahlreiche Anschläge verantwortlich gemacht, mit denen etwa die Wahl zum britischen Unterhaus 1997 torpediert werden sollten.

Auch während der IRA-Waffenruhe von 1994 formierte sich um Hardliner eine Gruppe, die sogenannte Continuity IRA. Die Abweichler verübten in Nordirland mehrere Anschläge mit Autobomben und Granaten. Die IRA beendete Anfang Februar 1996 ihren Waffenstillstand, da ihrer Ansicht nach der Friedensprozess vom damaligen britischen Premierminister John Major behindert wurde. Um nach dem Wahlsieg der Labour Party und den neubelebten Nordirland-Verhandlungen der IRA-nahen

Partei Sinn Fein die Teilnahme an den Gesprächen zu ermöglichen, verkündete die Untergrundorganisation einen neuen Waffenstillstand, der am 20. Juli 1997 in Kraft trat.

Die »Wahre IRA«

Das rief die derzeit als am gefährlichsten eingeschätzte Real-IRA (die wahre IRA) auf den Plan, deren Mitgliederzahl steigt. Ihr Führer ist der frühere Verwalter der Waffenarsenale der IRA. Die »Wahre IRA« (»Real IRA«) ist eine Abspaltung der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) und bekämpft den nordirischen Friedensprozess mit Bomben. Die schätzungsweise 50 Terroristen hatten sich im Herbst 1997 von der IRA getrennt, kurz nachdem diese einen Waffenstillstand erklärt hatte. Nach der Ideologie der »Wahren IRA« war dies eine »Kapitulation« vor den »britischen Besatzern« und ein »Verrat« am irischen Volk. Nun sei es an der »Wahren IRA«, den bewaffneten Kampf für eine Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irland im Süden fortzusetzen.

Im August 1998 bekannte sich die Gruppe zu dem schwersten Terroranschlag der nordirischen Geschichte: Durch die Explosion einer Autobombe kamen in der nordirischen Kleinstadt Omagh 30 Menschen ums Leben, Protestanten wie Katholiken. In den vergangenen beiden Jahren hat die Organisation zunehmend auch Bombenanschläge in London verübt, wobei sie die Polizei jedoch meist vorab warnte. Obwohl die irische und die nordirische Polizei die Anführer der Gruppe zu kennen glaubt, ist bisher noch keiner von ihnen verurteilt worden. Eine »Mauer des Schweigens« soll die Täter bisher geschützt haben.