Abu-Ghreib-Prozess Militärgericht spricht US-Soldat Graner schuldig


Die grinsenden Gesichter von Charles Graner und Lynndie England vor nackten Gefangenen sind zum Symbol des Folterskandals im Irak geworden. Ein US-Militärgericht hat den Unteroffizier jetzt schuldig gesprochen. Das Strafmaß steht noch aus.

Wegen Misshandlung irakischer Gefangener im Bagdader Gefängnis Abu Ghraib hat ein US-Militärgericht in Texas am Freitag den Unteroffizier US-Armee Charles Graner schuldig gesprochen. Die zehn Geschworenen folgten mit ihrem Schuldspruch weitgehend den Vorwürfen der Anklage. Lediglich einen der zehn Anklagepunkte milderten sie auf Körperverletzung statt auf tätlichen Angriff mit wahrscheinlicher Todesfolge ab. Damit drohen dem 36-jährigen Graner bis zu 15 Jahre Haft.

"Misshandlungen auf Befehl"

Graner, der Anklage zufolge der Rädelsführer bei den Misshandlungen, verteidigte sich vor Gericht mit dem Argument, er habe die Misshandlungen auf Befehl von Vorgesetzten begangen. Die Anklage bestritt dies.

Die Militärführung und die Regierung der USA haben die Schuld an den Vorfällen einer kleinen Gruppe von Soldaten zugeordnet und erklärt, es gebe keine Strategie der Gefangenenmisshandlung. "Er ist der Anstifter dessen, was in Abu Ghraib unter den Militärpolizisten geschehen ist", sagte Ankläger Chris Graveline.

Graner ist der erste von sieben der Misshandlung beschuldigten US-Soldaten, dem wegen der Vorgänge der Prozess gemacht wurde. Vier von ihnen hatten sich zuvor schuldig bekannt und Strafen von einer Degradierung bis hin zu acht Jahren Gefängnis erhalten.

Ankläger Graveline beschrieb Graner als einen Mann, der Gefangene aus Spaß und Geltungssucht misshandelte. "Was hier sehen ist schlicht Misshandlung, da gibt es keinen Zweifel und dafür gibt es keine Rechtfertigung", sagte Graveline. Er legte dem Gericht E-Mails von Graner vor, in denen Graner mit seinen Taten geprahlt habe und an die Fotos von den Misshandlungen beifügt waren.

Symbol des Skandals

Graners Beteiligung an den Misshandlungen ist durch Fotos, Videos und Zeugenaussagen vielfach dokumentiert. Viele der Fotos, auf denen US-Soldaten die Folterungen festhielten, zeigen Graner und die Gefreite Lynndie England, mittlerweile Mutter seines Kindes und ebenfalls angeklagt. Die grinsenden Gesichter der beiden vor nackten irakischen Gefangenen sind damit für viele Menschen zum Symbol des Skandals geworden. Die Misshandlungen lösten einen Skandal und weltweit Entsetzen aus und schadeten dem Ansehen der USA massiv.

Bereits kurz nach dem Schuldspruch hatte das Kurzverfahren zur Festsetzung des Strafmaßes begonnen. Dazu hatten Anklage und Verteidigung mehrere Zeugen einberufen. So baten die Eltern des Angeklagten im Gerichtssaal um Gnade für ihren Sohn. Nach Abschluss der Zeugenanhörungen an diesem Samstag sollten die Beratungen über das Strafmaß beginnen. Die Entscheidung liegt in den Händen derselben Jury, die den Schuldspruch fällte.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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