ÄGYPTEN Gaskocher löst Brandkatastrophe aus


Beim verheerenden Zugunglück in Ägypten sind 375 Menschen ums Leben gekommen. Der völlig überfüllte Zug war südlich von Kairo in Brand geraten, als eine Gasflasche in der Teeküche explodierte.

Beim verheerendsten Zugunglück in Ägypten seit Jahrzehnten sind am Mittwoch 375 Menschen ums Leben gekommen. Der völlig überfüllte Personenzug war auf dem Weg von Kairo nach Luxor, als in einem Waggon Feuer ausbrach. Der brennende Zug fuhr zunächst noch mehrere Kilometer weiter, Dutzende Passagiere sprangen in Panik aus den Wagen - viele von ihnen in den Tod. Mögliche Unglücksursache war laut einem Bericht der ägyptischen Nachrichtenagentur MENA ein explodierender Gaskocher.

Der Direktor der staatlichen Eisenbahngesellschaft Ahmed el Scherif betonte, die Ursache der Brandkatastrophe sei noch nicht bekannt. Auch sei nicht klar, warum nicht sofort die Notbremsen gezogen wurden. Der Zug mit Plätzen dritter Klasse habe keinen Speisewagen mitgeführt, ungeachtet der Vorschriften benutzten aber immer wieder Reisende Gaskocher in den Zügen.

Zug war stark überfüllt

Der ägyptische Ministerpräsident Atef Obeid warnte vor übereilten Schuldzuweisungen an die Bahn, da es keinerlei Hinweise auf Mängel bei den Sicherheitsvorkehrungen gebe. Allerdings war der Zug nach Angaben der Polizei zum Unglückszeitpunkt mit 3.000 Passagieren stark überfüllt. Generalstaatsanwalt Maher Abdel Wahid kündigte einschneidende Strafen an, sollten die Bahn ihre Sicherheitspflicht vernachlässigt haben. Die Regierung versprach eine Entschädigung von je 3.000 Pfund (747 Euro) für die Familien der Toten.

Gegen 01.00 Uhr am Morgen war das Feuer in einem der elf Wagen ausgebrochen. Schnell erfasste es weitere Waggons. In Reka el Gharbija, 95 Kilometer südlich von Kairo, kam der brennende Zug schließlich zum Stehen.

Moscheen wurden geöffnet, um Verletzte aufzunehmen. Starker Wind behinderte die Rettungsarbeiten; erst nach Stunden konnte der Brand gelöscht werden. Die Flammen erreichten sieben der elf Waggons. Viele der Leichen waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, Feuerwehrleute entdeckten einige der Opfer zusammengedrängt unter den Sitzen. Dorfbewohner halfen bei der Suche nach Überlebenden. Die meisten der 65 Verletzten wurden ins Krankenhaus der nächstgelegenen Stadt Ajjat gebracht.

Auf dem Weg in die Feiertage

Der 22-jährige Arbeiter Said Fuad Amin sprang aus dem brennenden Zug, um sich zu retten. »Ich dachte, ich muss sowieso sterben, deshalb bin ich gesprungen«, sagte er der Nachrichtenagentur AP im Krankenhaus von Ajjat, wo er wegen einer gebrochenen Hand und einer Gehirnerschütterung behandelt wurde. Zuerst habe er Schreie gehört und an eine lautstarke Auseinandersetzung gedacht, berichtete er. Dann habe er die Flammen und die flüchtenden Menschen gesehen. Der 21-jährige Adel Hassan Fadlallah berichtete von Rauch, der die Fahrgäste in Panik an die Fenster laufen ließ.

Die meisten Reisenden waren auf dem Weg in ihre Heimatdörfer, um das islamische Opferfest zu feiern. Die Bahnlinie zwischen Kairo und Luxor wurde nach dem Unglück auf unbestimmte Zeit geschlossen. Präsident Husni Mubarak sprach den Familien der Opfer sein Mitgefühl aus. Ministerpräsident Obeid versicherte am Unglücksort, die Regierung werde alles tun, den Angehörigen zu helfen. Bundesaußenminister Joschka Fischer drückte in einem Brief an seinen ägyptischen Kollegen Ahmad Maher sein Beileid aus.


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