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Äquatorial-Guinea: Mark Thatcher unter Putschverdacht

Mark Thatcher, Sohn der ehemaligen britischen Premierministerin, soll einen Umsturzversuch in Äquatorial-Guinea unterstützt haben. Vor seiner Festnahme in Kapstadt hatte er bereits die Flucht in die USA vorbereitet.

Mark Thatcher (51), Sohn der britischen Ex-Premierministerin Margaret Thatcher, hatte vor seiner Festnahme am Mittwoch in Kapstadt bereits die Flucht in die USA vorbereitet. die südafrikanischen Behörden bestätigten, dass er für seine Familie Flüge hatte reservieren lassen, seine vier Luxusautos verkauft und sein geräumiges Anwesen für 22 Millionen Rand (rund 2,8 Millionen Euro) zum Verkauf angeboten hatte. Die Kinder waren bereits an US-Schulen angemeldet. Thatcher steht gegen Zahlung einer Kaution unter Hausarrest und musste seinen Pass abgeben.

Ungemach widerfuhr ihm vor seinem Haftprüfungstermin: In der voll besetzten Haftzelle seien ihm Jacket, Handy und Schuhe gestohlen worden, berichtete die Zeitung "The Citizen" am Donnerstag.

Auslieferung beantragt

Unterdessen hat die Regierung Äquatorialguineas die Auslieferung Thatchers beantragt. "Das Verfahren für den Antrag auf Auslieferung hat begonnen. Es hat einen ersten Kontakt gegeben, ein erstes Zeichen von Interesse der Regierung Äquatorialguineas gegenüber Südafrika," sagte eine Anwältin der Regierung des zentralafrikanischen Landes. Jetzt müsse man auf die Antwort warten, sagte sie.

Mark Thatcher war unter dem Verdacht der Verwicklung in einen Putschversuch in der westafrikanischen Republik Äquatorialguinea im südafrikanischen Kapstadt festgenommen worden. Polizisten der Elite-Einheit "Scorpions" schlugen zu, als der im vornehmen Stadtteil Constantia wohnende Thatcher am Morgen seine beiden Kinder zur Schule bringen wollte.

Sie durchsuchten unter den Augen des 51-jährigen Thatchers das Haus, um Hinweise auf eine mögliche finanzielle Unterstützung des gescheiterten Putschs gegen Äquatorial-Guineas Präsidenten Obiang Nguema im März zu finden. Die britische Botschaft versicherte, Mark Thatcher, der mit seiner Frau Diane und den beiden Kindern in Kapstadt lebt, könne mit der gleichen konsularischen Hilfe rechnen wie jeder andere Brite in seiner Position.

Putschversuch sorgte für Schlagzeilen

Der Putschversuch sorgt seit fünf Monaten für Schlagzeilen in Afrika und hat die diplomatische Maschinerie mehrerer Staaten auf Touren gebracht. In der Hauptstadt Malabo des westafrikanischen Staates Äquatorial-Guinea entscheidet ein Gericht zur Zeit über das Schicksal von acht Südafrikanern, sechs Armeniern und vier Einheimischen, die als Vorauskommando einer Söldnertruppe den Weg bereiten sollten.

Sie waren im März gemeinsam mit einem Deutschen festgenommen worden, der inzwischen in Haft gestorben ist. Offiziell war Malaria die Todesursache - Südafrikas Medien dagegen gehen von den Folgen der Folter aus, denen die seit ihrer Festnahme in Ketten gehaltenen Gefangenen nach Angaben von Angehörigen ausgesetzt sind. In dem ölreichen Kleinstaat drohen nach Angaben von Menschenrechtsgruppen Verhältnisse, die mit einem Rechtsstaat nur wenig gemein haben.

Die mutmaßliche Putschtruppe selbst war nach einem Tipp der südafrikanischen Behörden am 7. März bei einer Zwischenlandung in Simbabwe abgefangen worden. Als ihr Anführer gilt der mit Mark Thatcher befreundete ehemalige britische Elite-Offizier Simon Mann. Er soll eine Million Dollar für die Rekrutierung von Söldnern und den Kauf von Transportmittel bereitgestellt haben.

Die britische Ex-Premierministerin Margaret Thatcher äußerte sich zunächst nicht zu der Festnahme ihres Sohns. Eine Sprecherin sagte, Baronin Thatcher sei in den USA in Urlaub und werde am Freitag in London zurückerwartet. Die "Eiserne Lady" hatte in der Vergangenheit schon mehrfach Kummer mit ihrem Sohn.

Gespött bei der Rally Paris-Dakar

Dem ehemaligen Juwelenhändler und Hobby-Rennfahrer wurde in den 80er Jahren vorgeworfen, die politische Position seiner Mutter für sich auszunutzen. So war er 1986 an den Aushandlungen eines lukrativen Vertrags über die Lieferung von Flugzeugen nach Saudi-Arabien beteiligt, wofür er eine millionenschwere Kommission erhalten haben soll. Zum Gespött wurde er 1982, als er auf der Motor-Rally Paris-Dakar in der Sahara verloren ging und von einem Suchflugzeug gerettet werden musste.

Thatcher heiratete 1987 die texanische Millionenerbin Diane Burgdorf, mit der er zwei Kinder hat. Nach dem Tod seines Vaters Denis erbte Mark Thatcher im vergangenen Jahr den Titel eines Baronets. Er darf sich "Sir" nennen.

Ralf E. Krüger/DPA / DPA