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Affäre Lagarde IWF stellt sich hinter seine Chefin


Wieder gibt es Wirbel um das Spitzenpersonal des Internationalen Währungsfonds: Nach der Affäre Strauss-Kahn muss sich nun Nachfolgerin Lagarde gegen den Vorwurf wehren, sie hätte als französische Finanzministerin Steuergeld veruntreut. Die IWF-Chefin gibt sich betont gelassen.

Die französischen Zeitungen befassen sich am Freitag mit den Ermittlungen gegen die IWF-Direktorin und frühere französische Finanzministerin Christine Lagarde. Die Zeitung "Le Journal de la Haute-Marne" aus dem ostfranzösischen Chaumont fürchtet nach der Affäre um Lagardes Vorgänger Dominique Strauss-Kahn neue Frankreich-Schelte:

"Der Vorstand des IWF hat sich gelassen gegeben und seine Vertrauensbekundung in die neue Direktorin erneuert. Das verhindert nicht, dass im Kielwasser der Affäre Strauss-Kahn (...) die Eröffnung einer Untersuchung gegen die Frau, die ihn gerade erst ersetzt hat, nicht gerade das Image unseres Landes jenseits des Atlantiks verbessern wird. Man kann damit rechnen, dass gewisse amerikanische Medien gegen die "Frenchies" keilen werden. (...) Christine Lagarde wird im schlechtesten Moment geschwächt: Man hat es gestern an den Börsen gesehen, die Finanzwelt beginnt wieder ernsthaft zu wanken. Ein Umfeld, das alle Energie des IWF mobilisieren muss, jenseits jeder äußeren Störung."

Auf die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, kommt ein Verfahren wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder und Komplizenschaft zu. Der französische Gerichtshof der Republik will eine üppige Zahlung an einen Geschäftsmann überprüfen, die Lagarde als Wirtschaftsministerin zu verantworten hatte. Der Gerichtshof machte am Donnerstag den Weg zu einem Ermittlungsverfahren frei und ging dabei sogar noch über die zunächst vorgebrachten Anschuldigungen hinaus. Die 55-Jährige, die beim IWF Nachfolgerin des wegen versuchter Vergewaltigung angeklagten Dominique Strauss-Kahn wurde, bestreitet jegliches Fehlverhalten.

Neuer Ärger durch alten Fall

Der Währungsfonds stellte sich hinter seine Chefin. Der Exekutivrat wolle den Fall nicht kommentieren, teilte der IWF mit. Das Gremium sei aber "zuversichtlich, dass sie in der Lage sein wird, ihren Pflichten als Geschäftsführende Direktorin effektiv nachzukommen". Lagarde habe den Fall mit dem Exekutivrat diskutiert, bevor sie in das Amt berufen worden sei, hieß es weiter.

Mit der umstrittenen Zahlung an den Geschäftsmann Bernard Tapie hatte Lagarde vor drei Jahren einen viele Jahre schwelenden Streit beenden wollen. Tapie hatte Anfang der 1990er Jahren Anteile am deutschen Sportartikelherstellers Adidas verkauft. Bei der Abwicklung des Geschäfts fühlte er sich aber von der damaligen Staatsbank Crédit Lyonnais geprellt und zog vor Gericht. Nach jahrelangem Streit schaltete Lagarde ein Schiedsgericht ein, das Tapie 2008 eine Entschädigungssumme von 285 Millionen Euro plus Zinsen zugestand. Insgesamt soll Tapie rund 400 Millionen Euro aus der Staatskasse bekommen haben.

Der mittlerweile pensionierte Generalstaatsanwalt Jean-Louis Nadal hatte Lagarde daraufhin Amtsmissbrauch vorgeworfen und den Gerichtshof der Republik angerufen, der als Sonderinstanz in der französischen Justiz für Verbrechen oder Vergehen von Regierungsmitgliedern zuständig ist. Lagarde hätte das Schlichtungsverfahren schon aus formalen Gründen gar nicht erst zulassen dürfen, argumentierte Nadal. Entgegen den Empfehlungen von Experten habe Lagarde außerdem keinen Einspruch gegen die Entscheidung der Richter eingelegt.

ono/AFP/DPA DPA

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