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Afghanistan: Britischer Minister will Soldaten abziehen

Neuer Minister, neuer Kurs: Kaum ist der britische Verteidigungsminister Liam Fox im Amt, macht er deutlich, wie er sich Großbritanniens zukünftige Afghanistan-Strategie vorstellt. Und die lautet: Rückzug. Auf Blitzbesuch am Hindukusch folgte er einem anderen prominenten Gast.

Der neue britische Verteidigungsminister Liam Fox setzt auf einen schnellen Rückzug seiner Soldaten aus Afghanistan. "Ich möchte, dass die Einheiten so schnell wie möglich zurückkommen", sagte Fox in einem Interview vor einem gemeinsamen Blitzbesuch mit Außenminister William Hague und Entwicklungsminister Andrew Mitchell am Hindukusch. Zur Stärkung der Moral der Truppe gab sich am Wochenende auch Starfußballer David Beckham die Ehre.

Eine weitere Entsendung von Soldaten nach dem Vorbild der USA ist Minister Fox zufolge von Großbritannien nicht zu erwarten. Es müsse akzeptiert werden, dass die Grenze der Bereitstellung von Truppen erreicht sei, sagte er der Londoner Zeitung "Times". "Wir müssen Ziele und Zeitpläne neu bestimmen." Der Minister ließ auch erkennen, wie er sich das vorstellt: "Die nationale Sicherheit steht nun im Fokus. Wir sind kein Weltpolizist. Wir sind nicht zum Wohle einer Bildungspolitik in einem bankrotten Land aus dem 13. Jahrhundert in Afghanistan. Wir sind dort, damit das britische Volk und unsere globalen Interessen nicht gefährdet werden."

Gleichwohl werde er bei seinem Afghanistan-Besuch zusammen mit Außenminister William Hague und Entwicklungsminister Andrew Mitchell vor Ort ausloten, inwiefern die Ausbildung heimischer Sicherheitskräfte beschleunigt werden könnte. Fox sagte dies mit Blick auf die Ankündigung des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, ab 2014 könnten Polizei und Armee des Landes selbst für Sicherheit sorgen.

USA will Truppen aufstocken

In Afghanistan sind rund 10.000 britische Soldaten im Einsatz. London ist damit nach den USA der zweitgrößte Truppensteller am Hindukusch. Die USA haben in Afghanistan 130.000 Soldaten stationiert und wollen diese vor dem ebenfalls geplanten Rückzug bis zum Sommer um weitere 20.000 aufstocken.

Außenminister Hague unterstrich die Loyalität seiner Regierung mit den USA und der Regierung Karsai. Die vom Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan, Stanley McChrystal, vorgegebene Militärstrategie brauche "Zeit und Unterstützung, um Erfolg haben zu können", erklärte Hague vor seiner Ankunft in Kabul. Erst vor einer Woche hatte der neue Premierminister David Cameron signalisiert, wie wichtig die neue Regierung die Afghanistan-Frage nimmt - und Karsai nach seiner Amtsübernahme als ersten ausländischen Staatschef empfangen.

Unterdessen traf Fußballstar David Beckham, Ex-Kapitän der englischen Nationalmannschaft, bereits am Freitagabend im Camp Bastion in der Unruheprovinz Helmand ein, wo er das Wochenende verbringen will. Geplant ist ein Ausflug des 34-Jährigen in die Provinzhauptstadt Lashkar Gah, wo Großbritannien eine Militärbasis hat, die auch Zivilisten hilft. Am Samstag schrieb der gefeierte Fußballer, der wegen einer Verletzung nicht an der WM teilnehmen kann, fleißig Autogramme.

AFP/APN