Afghanistan Jeder Zweite blieb der Wahl fern


Die Drohungen der Taliban haben offenbar doch zahlreiche Wähler abgeschreckt: Der Unabhängigen Wahlkommission zufolge sind nur 40 bis 50 Prozent der registrierten Wähler zur Stimmabgabe gegangen. Vor allem in den Unruhegebieten trauten sich nur die wenigsten an die Urnen.

In Afghanistan haben der Unabhängigen Wahlkommission zufolge weniger als die Hälfte der 17 Millionen registrierten Wähler ihre Stimme abgegeben. "Im Süden und Osten war die Beteiligung katastrophal", sagte auch ein internationaler Wahlbeobachter zur Deutschen Presse-Agentur. In den Unruhegebieten, in denen die Taliban stark sind, hätten nur zwischen fünf und 15 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben. Im Norden seien es bis zu 60 Prozent, im Westen maximal 50 Prozent gewesen. Insgesamt lag die Beteiligung laut der Unabhängigen Wahlkommission zwischen 40 und 50 Prozent.

Der Wert lag damit drastisch unter dem der Präsidentschaftswahl 2004. Bei der ersten Wahl seit dem Sturz des Taliban-Regimes hatten nach offiziellen Angaben knapp 80 Prozent der registrierten Wähler ihre Stimme abgegeben. Allerdings hatten die Taliban diesmal allen registrierten Wählern mit ihrer Ermordung gedroht, sollten sie tatsächlich ihre Stimme abgeben.

Beide Spitzen-Kandidaten beanspruchen den Sieg

Die Unabhängige Wahlkommission teilte am Freitag mit, von Dienstag an würden täglich Ergebnisse veröffentlicht werden. Der Wahlgewinner werde aber erst feststehen, wenn alle Stimmen ausgezählt und von der Wahlkommission überprüft worden seien. Anfang September werde ein vorläufiges Ergebnis verkündet werden.

Unabhängig davon hat der Wahlkampfmanager von Hamid Karzai bereits den Sieg für den amtierenden afghanischen Präsidenten beansprucht. Karzai habe nach ersten Hochrechnungen die Mehrheit erzielt und müsse nicht in einer Stichwahl gegen seinen stärksten Herausforderer Abdullah Abdullah antreten, sagte Karzais oberster Wahlkampfmanager, Deen Mohammad. "Wir brauchen keine zweite Wahlrunde. Wir haben die Mehrheit." Das Team von Karsai berief sich bei seiner Erklärung auf Berichte von rund 29.000 Wahlbeobachtern.

Ein Sprecher von Abdullah wies die Erklärung des Karzai-Lagers umgehend zurück. "Das stimmt nicht", sagte Sayed Fazel Sangcharaki und reklamierte im Gegenteil den Wahlsieg für seinen Chef. Nach ersten Auszählungsergebnissen der Wahlkommission liege Abdullah mit 62 Prozent der Stimmen vor Karzai, der nur 32 Prozent erhalten habe. "Wir müssen das Endergebnis abwarten", sagte Sangcharaki. "Ich liege vorne", sagte Abdullah. "Erste Ergebnisse aus den Provinzen zeigen, dass ich mehr als 50 Prozent der Stimmen habe."

50 Tote am Wahltag

Die Auszählung der Stimme hatte unmittelbar nach Schließung der Wahllokale begonnen. Sollte keiner der Bewerber um das Präsidentenamt eine absolute Mehrheit erreichen, kommt es nach derzeitiger Planung Anfang Oktober zu einem weiteren Wahlgang. Dann würden nur noch der Spitzenreiter und der Zweitplatzierte antreten.

Den Urnengang am Donnerstag hatten 300.000 Soldaten und Polizisten gesichert. Dennoch kamen binnen weniger Stunden mehr als 50 Menschen bei verschiedenen Anschlägen und Gefechten ums Leben, rund die Hälfte davon waren Aufständische. Das Verteidigungsministerium zählte insgesamt 135 Zwischenfälle im ganzen Land, darunter vier Selbstmordanschläge.

DPA/Reuters DPA Reuters

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