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Ankara-Anschlag: Selbstmordattentäter der PKK

Ein Selbstmordattentäter mit Verbindungen zur kurdischen Untergrundorganisation PKK hat den Bombenanschlag auf ein Geschäftsviertel in Ankara verübt und sechs Menschen mit in den Tod gerissen. Der Attentäter wurde durch Fingerabdrücke und DNA-Analyse identifiziert.

Fast hundert Personen wurden bei dem Anschlag am Dienstag verletzt, wie der Gouverneur der türkischen Hauptstadt, Kemal Önal, mitteilte. Er identifizierte den Attentäter am Mittwoch als einen 28 Jahre alten Mann. Die Art des Anschlags und der verwendete Sprengstoff deuteten auf kurdische Extremisten hin, sagte Önal. Ob der Attentäter Verbindungen zur verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) hatte, sagte Önal nicht. "Wir waren in Sorge, dass die Terrororganisation solche Anschläge in großen Städten ausführen könnte", sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Türkische Politiker vermeiden es, die PKK beim Namen zu nennen und sprechen stattdessen von "der Terrororganisation". Önal erklärte, der Attentäter sei anhand von Fingerabdrücken identifiziert worden, die am Tatort gefunden wurden. Außenminister Abdullah Gül leitete eine Sondersitzung des Kabinetts, bei der über neue Sicherheitsmaßnahmen beraten wurde. Die PKK war schon in der Vergangenheit für ähnliche Anschläge verantwortlich. In Frage kommen aber auch linke oder islamistische Extremisten als Urheber. "Wer unterstützt die Terrorgruppen? Wer steckt dahinter? Das sind die Fragen, die wir zu klären versuchen", sagte General Yasar Büyükanit.

Anschlag auf Rüstungsmesse

Der Anschlag ereignete sich während einer internationalen Messe für Rüstungsgüter in Ankara, an der rund 400 Unternehmen teilnehmen. Der Anschlag wurde international verurteilt. Das Auswärtige Amt in Berlin sprach den Angehörigen der Opfer im Namen der Europäischen Union ihr Mitgefühl aus und wünschte den Verletzten baldige Genesung. Dem türkischen Volk versicherte die EU-Präsidentschaft ihre Solidarität. "Die Hintermänner dieses feigen Anschlags müssen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden. Ihnen muss mit allen Mitteln des Rechtsstaats entgegengetreten werden", hieß es.

Im Namen der NATO verurteilte Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer die Tat. Die Verbündeten stünden in Solidarität zur Türkei und zum türkischen Volk. Betroffen von dem Anschlag war der Stadtteil Ulus, das historische Zentrum von Ankara. "Hier spielen sich schreckliche Szenen ab", sagte Bürgermeister Melih Gökçek. Die Polizei verstärkte die Sicherheitsmaßnahmen in Ankara weiter. Wie es hieß, wurde nach einigen verdächtigen Personen gefahndet, die in der Nähe des Tatorts gesehen wurden. Die Türkei hat in den vergangenen Jahren einige verheerende Anschläge erlebt. Selbstmordattentäter mit Verbindungen zur Al Kaida töteten 2003 bei Anschlägen auf zwei Synagogen, das britische Konsulat und eine britische Bank in Istanbul 58 Menschen. Im September vergangenen Jahres wurden bei einem Anschlag auf eine Bushaltestelle in der größten kurdischen Stadt Diyarbakir zehn Menschen getötet. Einen Monat zuvor waren bei einem Anschlag kurdischer Rebellen im Mittelmeerbadeort Marmaris 20 Menschen verletzt worden, darunter zehn britische Touristen.

AP / AP