ANKLAGEN Drei Anklagen in einem Prozess


Gegen den jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic wird zunächst wegen Verbrechen im Kosovo-Konflikt verhandelt. Die Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen wurde 1999 erhoben. Vermutlich im Sommer sollen auch die inzwischen ausgearbeiteten Anklagen wegen Verbrechen in Kroatien und insbesondere wegen Völkermords in Bosnien präsentiert werden.

Sicherung eines »Groß-Serbiens«

Im Kosovo soll Milosevic zusammen mit vier anderen prominenten Serben, die sich noch auf freiem Fuß befinden, so genannte ethnische Säuberung von Nicht-Serben geplant, angeordnet, überwacht und gezielt gefördert haben. Ziel all seiner Aktivitäten sei die Sicherung eines »Groß-Serbiens« unter der Führung Belgrads gewesen, meint die Anklage. Die ihm zur Last gelegten Verbrechen beziehen sich im Kosovo allein auf die Zeit zwischen 1. Januar 1999 und dem serbischen Truppenabzug am 20. Juni 1999.

Durch ein »gemeinschaftliches kriminelles Unternehmen« sei eine gezielte Kampagne des Terrors vorbereitet und betrieben worden. 600 000 bis 800 000 ethnische Albaner seien gewaltsam von Haus und Hof verjagt, gefangen, gefoltert oder ausgeplündert worden. Tausende wurden ermordet, heißt es in der Anklageschrift.

Anklage sieht einheitliches Motiv

Die Anklage, die sich auf Verbrechen im Bosnienkrieg 1992 bis 1995 bezieht, ist 2001 fertig gestellt worden. Milosevic wird darin vor allem Völkermord vorgeworfen. In einer weiteren Anklage werden ihm Verbrechen im Kroatienkonflikt 1991/92 zur Last gelegt.

Für die alle Vorwürfe sieht die Anklage ein einheitliches Motiv und einen inneren Zusammenhang. Selbst die zeitliche Lücke von drei Jahren zwischen dem Ende des Bosnienkonflikts und dem Geschehen im Kosovo hat nach Überzeugung von Anklage und Gericht die zeitliche Verbindung nicht zerrissen. Deshalb stimmte das Tribunal schließlich dem Antrag von Chefanklägerin Carla Del Ponte zu, einen einheitlichen Balkan-Prozess mit allen drei Anklagen gegen Milosevic zu führen.


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