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Ausschreitungen an der Klagemauer: Jüdinnen müssen unter Polizeischutz beten

Im Streit um religiöse Praktiken kam es an der Klagemauer in Jerusalem zu einem Handgemenge. Hunderte ultraorthodoxer Juden wollten Jüdinnen daran hindern, mit einem Gebetsschal für Männer zu beten.

Zahlreiche jüdische Feministinnen haben am Freitag unter Polizeischutz an der Klagemauer in Jerusalem gebetet. Etwa 400 Frauen nahmen teil, sagte die Sprecherin der Organisation Frauen der Mauer, Schira Pruce. Die Aktion wurde von ultraorthodoxen Gläubigen gestört. Frauen dürfen zwar getrennt von den Männern an der Klagemauer beten, jedoch sind die von den Aktivistinnen verwendeten religiösen Insignien wie Gebetsschals und das laute Vorlesen aus der Tora traditionell Männern vorbehalten.

Es war das erste Mal, dass die Frauen von den Sicherheitskräften Unterstützung erhielten, nachdem ihnen ein Gericht im vergangenen Monat das Recht zum freien Gebet an der Mauer zugesprochen hatte. Pruce sprach von einem "historischen" Ereignis. "Wir sind sehr stolz und glücklich", sagte sie.

Die Polizei habe rund 1000 Ultraorthodoxe auf Distanz zu den Frauen gehalten, sagte Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Die Gegner der Aktion versuchten, die Polizeiabsperrung zu durchbrechen, und warfen Wasserflaschen, Müllsäcke, Plastikstühle und Eier auf die Polizisten und die Frauen. Einige beschimpften die Sicherheitskräfte als "Nazis". Zwei Polizisten wurden leicht verletzt, fünf Männer wurden festgenommen. Nach Ende ihres Gebets wurden die Frauen von der Polizei zu einem Bus eskortiert. Das Fahrzeug wurde mit Steinen beworfen, wie Rosenfeld sagte.

Gericht entscheidet für Frauen der Mauer

Die Vereinigung religiöser Frauen unter dem Namen Neschot Hakotel, auch bekannt unter der englischen Bezeichnung Women of the Wall (Frauen der Mauer), kämpft seit mehr als 20 Jahren für das Recht gläubiger Jüdinnen, an der Klagemauer nach eigenen Vorstellungen beten zu dürfen. Traditionell sind das Tragen von Gebetsschals und das laute Lesen aus der Tora Männern vorbehalten. Strenggläubige Juden halten das Verhalten der Feministinnen daher für provokativ. Sie störten daher immer wieder die monatliche Aktion der Aktivistinnen. Mehrfach wurden zudem betende Frauen von der Polizei festgenommen.

Im April entschied jedoch ein Gericht, dass nicht die Frauen die öffentliche Ordnung störten, sondern dass vielmehr ihre Gegner das Problem seien. Das Gericht erlaubte den Frauen deshalb, nach ihren Vorstellungen an der Klagemauer zu beten - allerdings nur im Frauenabschnitt. Es gibt zudem einen Plan, einen weiteren Mauerabschnitt einzurichten, an dem beide Geschlechter gleich behandelt werden. Bislang beten Männer und Frauen an der Klagemauer getrennt.

kgi/DPA/AFP / DPA