Ausschreitungen in Teheran Milizen jagen Demonstranten


In der iranischen Hauptstadt Teheran sind Polizei und regierungstreue Milizen auch am Sonntagabend mit Anhängern des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mir Hussein Mussawi zusammengestoßen. Vor allem Jugendliche protestierten gegen vermeintlichen Wahlbetrug.

Nach der Wiederwahl des erzkonservativen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad ist es am Sonntagabend in der Hauptstadt Teheran zu weiteren Unruhen gekommen. In verschiedenen Stadtteilen stießen nach Angaben von Augenzeugen Anhänger des unterlegenen Reformpolitikers Mir Hussein Mussawi und die Polizei zusammen. Die meist jungen Demonstranten zündeten Reifen und Mülltonnen an. Mit Schlagstöcken bewaffnete Einsatzkräfte versuchten, in der Innenstadt eine große Menschenmenge aufzulösen. Sie feuerten den Angaben zufolge Schüsse in die Luft und setzten Tränengas ein. Zudem versuchten sie, die Anhänger Ahmadinedschads und Mussawis auseinanderzuhalten.

Mussawi wollte am Montagabend auf einem zentralen Platz in der Innenstadt eine Ansprache an das iranische Volk halten. Er forderte seine Anhänger zu einem Sternmarsch auf. Ob die Rede stattfinden wird war fraglich, da sie von den Behörden genehmigt werden muss. Mussawi hat den Wächterrat aufgefordert, die Wahl vom Freitag wegen Unregelmäßigkeiten zu annullieren. Nach unbestätigten Berichten wollten die beiden anderen unterlegenen Kandidaten, Mehdi Karrubi und Mohsen Rezai, auch eine Annullierung fordern.

Laut dem Mussawi-Lager hat es nach den Zusammenstössen Dutzende Verletzte sowie eine Vielzahl von Verhaftungen gegebenen. Eine Bestätigung lag nicht vor. Die Behörden sprachen von bisher 60 Verhaftungen, weitere sollten folgen. Nach Angaben mehrerer Parteien sind "viele" Führungskräfte reformorientierter Parteien sowie Journalisten festgenommen worden. Die Behörden gaben an, sie hätten die Betroffenen lediglich zur Befragung vorgeladen und inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt.

Steinmeier verurteilt Vorgehen

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte den Iran scharf für das Vorgehen gegen Oppositionelle. "Wir verurteilen aufs schärfste die Praxis der Sicherheitskräfte gegenüber Demonstranten", betonte der SPD-Politiker am Sonntagabend im ZDF. "Das ist inakzeptabel und ebenso inakzeptabel ist die Einschränkung von journalistischer Arbeit, die gleichzeitig stattfindet." Die Regierung verfolge die Ereignisse in Teheran mit großer Sorge. In den ARD-Tagesthemen sagte Steinmeier, er wolle den iranischen Botschafter in Berlin einbestellen, um ihm gegenüber seine Sorge über die Vorgänge in Teheran auszudrücken. Zudem kündigte Steinmeier eine europäische Reaktion auf die Vorkommnisse an. Deutschland stehe "im Kontakt mit anderen europäischen Regierungen, um den Iran aufzufordern, schnellstmöglich Aufklärung zu schaffen, was an den Vorwürfen über Wahlfälschung dran ist", sagte er weiter.

Offenbar erschwerten Polizei und regierungstreue Milizen am Wochenende auch die Arbeit ausländischer Journalisten. Der ARD-Korrespondent vor Ort berichtete von Drohungen. Er berichtete zudem, dass ein Techniker seines Teams am Sonntag verhaftet worden sei. Offenbar werden Aufnahmen der Proteste behindert.

AP/DPA/Reuters/fgüs AP DPA Reuters

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