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Badschi: Bevorzugter Anschlagort der Aufständischen

Badschi im Norden des "sunnitischen Dreiecks" ist einer der gefährlichsten Orte im Irak. Vor allem wegen der Raffinerie und wichtiger Pipelines verüben Aufständische immer wieder schwere Anschläge.

Von Christoph Reuter

Die beiden entführten Deutschen haben sich einen der gefährlichsten Arbeitsplätze im Irak ausgesucht. Badschi, der kleine Ort im Norden des "sunnitischen Dreiecks", gehört seit langem zu den für Ausländer gefährlichsten Zonen des Irak. Gelegen an der Autobahn zwischen Bagdad und Mossul, hat es hier seit Ende 2003 permanent Anschläge gegeben - auf US-Truppen, auf irakische Verbände, vor allem aber auf die gigantische Ölraffinerie und die Zulieferungs-Pipelines in der Umgebung des Ortes.

Von Badschis Raffinerie sowie einem nahe gelegenen Energiekraftwerk aus wird vor allem Bagdad mit Benzin und Strom versorgt, was diese Installationen zu bevorzugten Anschlagsorten der sunnitischen Aufständischen gemacht hat - etwa bei der Abstimmung über die irakische Verfassung im vergangenen Oktober, als mehrere Anschläge die Stromversorgung im halben Irak lahm legten.

Für den heutigen Tag, den 24. Januar, hat die Datensammelstelle des amerikanischen "Reconstruction Operation Center", die intern sämtliche Attacken auf Koalitionsstreitkräfte und irakische Sicherheitskräfte im gesamten Irak erfasst, die drei Überlandstraßen - im US-Militärjargon "Temper", "Cherry" und "Phoenix" genannt - von und nach Badschi entweder rot ("hohes Risiko") oder schwarz ("absolut kein Durchkommen, keine Rettungsmöglichkeiten") markiert.

Für die Bewertung gibt es handfeste Gründe: So sind allein in der Nacht von Montag auf Dienstag mehrere Dutzend Sprengsätze an den Straßen gefunden wurden, einige davon auch detoniert. Zudem ist ein Selbstmordbomber mit seinem Auto auf Sicherheitskräfte gerast. Es habe mindestens einen Toten in der Umgebung von Badschi gegeben sowie mehrere Angriffe mit Panzerfäusten und Schusswaffen.

Auch der Umstand, dass sie von Männern in den Uniformen der Irakischen Nationalgarde entführt wurden, ist keine Ausnahme, sondern eher der Regelfall: Polizei und Milizen machen in vielen Fällen gemeinsame Sache mit Entführern oder arbeiten ohnehin in Personalunion für beide Seiten.

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