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Bali-Attentat: Polizei fahndet nach Drahtziehern

Nach der Anschlagsserie auf der Ferieninsel Bali fahndet die indonesische Polizei unter Hochdruck nach den Komplizen der Selbstmordattentäter.

Als Drahtzieher verdächtigen die Behörden zwei Mitglieder der Gruppe Jemaah Islamiyah, die Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida hat. Die drei Täter rissen bei den Anschlägen 19 Menschen in den Tod, wie ein Polizeisprecher am Montag mitteilte. Unter den Verletzten sind auch zwei deutsche Urlauber.

Die Selbstmordattentäter hätten am Samstagabend mit Sprengstoffwesten am Körper drei Restaurants in Kuta und Jimbaran betreten, sagte Generalmajor Ansyaad Mbai. Sie hätten vermutlich mit mindestens drei weiteren Personen zusammengearbeitet, die sich wohl noch auf Bali befänden. Die Behörden gingen davon aus, dass die Komplizen mit Mobiltelefonen die Sprengstoffwesten zündeten. Fotos von den Köpfen der drei Täter wurden veröffentlicht und sollten bei deren Identifizierung helfen, auch ein Amateurvideo wurde in die Ermittlungen einbezogen.

Drahtzieher der Anschläge seien vermutlich die beiden malaysischen Extremisten Azahari bin Husin und Noordin Mohamed Top, sagte Mbai. Sie sollen auch die Anschläge vom 12. Oktober 2002 in Kuta organisiert haben, bei denen mehr als 200 Menschen getötet worden waren. Die Polizei geht davon aus, dass die Anschläge auf das Konto der Jemaah Islamiyah gehen. Nach Angaben Mbais unterstützt ein früherer Funktionär der Gruppe die Ermittlungen.

Keine Hinweise auf Deutsche unter den Todesopfern

In den vergangenen drei Jahren wurden unter anderem in Indonesien, Malaysia, und Thailand dutzende Mitglieder der Jemaah Islamiyah verhaftet. Experten warnen jedoch davor, dass die Terrorgruppe inzwischen eine neue Generation von Extremisten herangezogen und sich auf eine neue Anschlagswelle vorbereitet haben könnte.

Die beiden deutschen Touristen seien bei den Explosionen nur leicht verletzt worden, teilte das Auswärtige Amt in Berlin am Sonntag mit. Es handele sich um einen Mann und eine Frau. Hinweise auf Deutsche unter den Todesopfern gebe es nicht. Nach jüngsten Polizeiangaben wurden neben den Attentätern 19 Menschen getötet, 101 erlitten Verletzungen. Ein Krankenhaus sprach dagegen von 29 Todesopfern. Unter den Toten waren nach offiziellen Angaben zwei Australier, ein Japaner und mindestens zwölf Indonesier. Unter den Verletzten waren 49 Indonesier, 17 Australier, sechs Amerikaner, sechs Koreaner, vier Japaner und die beiden Deutschen.

Thailand verstärkte am Montag seine Sicherheitsvorkehrungen an Touristenorten. Es gebe Hinweise, die die Behörden zu größter Wachsamkeit aufriefen, sagte Ministerpräsident Thaksin Shinawatra, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Der Regierungschef deutete an, dass die Extremisten im Süden Thailands enge Beziehungen zu den Terroristen in Indonesien und Malaysia hätten. In den betroffenen Touristenorten würden unter anderem verstärkt Sicherheitskräfte stationiert, sagte Shinawatra.

Annan verurteilt "feigen Angriff"

Die internationale Gemeinschaft verurteilte die Anschläge auf Bali scharf. UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach von einem "feigen Angriff", viele Regierungen boten Indonesien am Sonntag spontan Hilfe bei der Bewältigung der Tragödie an. Der Anschlag "muss und wird die Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft weiter stärken", gegen den Terror vorzugehen, erklärte Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der britische Premierminister Tony Blair sagte, seine Regierung stehe bereit zu helfen, wo immer sie könne. Ein Sprecher des Weißen Hauses, Erin Healy, bot die Hilfe der USA an.

Chris Brummit/AP