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Berlusconis erster Auftritt im Rubygate-Prozess Burlesque, kein Bunga-Bunga


Überraschung beim Rubygate-Prozess: Erstmals erschien Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi persönlich vor Gericht. Seinen Worte zufolge hätten in seiner Villa niemals Sexpartys stattgefunden, allenfalls harmlose Tanzwettbewerbe in einer Atmosphäre von "Freude, Heiterkeit und Geselligkeit".

Burlesque statt Bunga-Bunga: Bei den Partys in der Villa des früheren italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi haben die weiblichen Gäste nach Angaben des "Cavaliere" harmlose Wettbewerbe im Burlesque-Tanzen veranstaltet und trainiert. Die Übungseinheiten hätten nach einem "eleganten Abendessen" in einer von "Freude, Heiterkeit und Geselligkeit" geprägten Atmosphäre stattgefunden, sagte Berlusconi am Freitag in Mailand. Zwei Frauen hatten berichtete, als Nonnen verkleidet für Berlusconi einen Striptease hingelegt zu haben.

Der Ex-Regierungschef erschien am Morgen überraschend zu dem gegen ihn laufenden Rubygate-Prozess. Es war sein erster Auftritt während des Verfahrens. Ihm wird vorgeworfen, im Jahr 2010 mit der zur Tatzeit minderjährigen Nachtclub-Tänzerin Karima al Mahrough alias Ruby Rubacuore Sex gehabt zu haben. Später soll der damalige Regierungschef sein Amt missbraucht haben, um die wegen Diebstahls festgenommene Marokkanerin freizubekommen.

Er nutzte seinen ersten persönlichen Auftritt als Angeklagter zu harscher Kritik an Justiz und Medien. "Ich bin gekommen, um diese Inszenierung zu sehen, eine große mediale Diffamierungsoperation", erklärte er in einer Verhandlungspause. Es sei ein Skandal, dass staatliche Gelder für diesen "überflüssigen Prozess" verwandt würden. Er habe in seiner Villa in Arcore in der Nähe von Mailand keine wilden Partys gefeiert, sondern zu "eleganten Abendessen" eingeladen, sagte er vor Journalisten. In einem Raum, bei dem es sich um "die alte Disko" seiner Kinder gehandelt habe, hätten die weiblichen Gäste anschließend für "Burlesque-Spektakel" trainiert oder Wettbewerbe in dem aufreizenden Tanzstil veranstaltet, bei dem ein Striptease angedeutet wird.

Zugleich verteidigte sich Berlusconi gegen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, er könnte von ihm geleistete Geldzahlungen an drei Frauen nutzen, um deren Aussagen vor Gericht zu beeinflussen. "Ich zahle den Unterhalt dieser Mädchen, weil dieser Prozess ihr Leben ruiniert hat", sagte der 75-Jährige. Das "nutzlose" Verfahren gegen ihn habe etwa 30 Frauen in Not gebracht. Sie hätten ihre Jobs und Partner verloren. "Ihr einziger Fehler war, eine Einladung zum Abendessen bei mir anzunehmen."

Im Mittelpunkt des Verhandlungstages stand am Freitag die Anhörung von Zeugen. Sie wurden zu der Nacht befragt, in der Berlusconi bei einer Polizeistation in Mailand angerufen und die Freilassung von Ruby verlangt haben soll. Berlusconi weist die Vorwürfe zurück, Sex mit einer Minderjährigen gehabt und sein Amt missbraucht zu haben. Bei einer Verurteilung drohen ihm drei Jahre Haft.

fro/AFP/DPA DPA

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