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Bürgerkrieg in Syrien: Viele Tote bei Explosion an türkischer Grenze

Es ist der schwerste Zwischenfall an der türkischen Grenze seit Beginn des Aufstands in Syrien: Eine Autobombe tötete 13 Menschen. Im Nordosten Syriens gab es weitere Anschläge.

Bei einem Angriff auf einen Grenzübergang der Türkei zu Syrien sind am Montag 13 Menschen getötet worden. Zugleicher erlitten 27 Menschen bei der Explosion schwere Verletzungen, teilte das türkische Außenministerium mit. Den Untersuchungen zufolge explodierte eine Autobombe. Der Sprengsatz sei in einem Fahrzeug mit syrischem Kennzeichen detoniert, es stand zum Zeitpunkt der Explosion in einer Warteschlange auf der türkischen Seite der Grenze. Es war der schwerste Zwischenfall an der türkischen Grenze sei dem Beginn des Aufstandes in Syrien im März 2011.

Unter den Toten sind nach Angaben der Behörden drei Türken und zehn Syrer. Die Bombe sei im Niemandsland vor den Gebäuden der türkischen Zöllner im Grenzübergang Cilvegözü bei Reyhanli (Provinz Hatay) explodiert, wo Hilfsgüter für die syrische Bevölkerung abgefertigt werden. Von dem sich ausweitenden Brand wurden auch Hilfstransporter in Mitleidenschaft gezogen. "Ich habe selbst 25 Verletzte gesehen und mehrere Tote", sagte ein dort arbeitender syrischer Aktivist. Bilder zeigten beschädigte Gebäude und mehrere ausgebrannte Fahrzeuge. Laut dem Sender NTV wurden dutzende Krankenwagen an die Grenze beordert. "Es ist zu früh, um Schlussfolgerungen zu ziehen, solange die Ermittlungen noch andauern", sagte ein türkischer Regierungsvertreter.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ließ sich über die Lage an der Grenze informieren. Zu möglichen Hintergründen gab es von türkischer Seite zunächst keine Angaben. In ersten Berichten war von einem Einschlag einer aus Syrien abgefeuerten Mörsergranate die Rede gewesen. In der Türkei waren in den vergangenen Monaten immer wieder Granaten aus Syrien eingeschlagen. Die Türkei reagierte mehrfach mit Artilleriefeuer.

Beobachtungsstelle: 14 Tote bei Anschlägen

Bei weiteren Selbstmordanschlägen in der Stadt Tschaddade im Nordosten Syriens wurden nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London 14 Mitarbeiter der syrischen Geheimdienste getötet. Wie die Informationsstelle am Montag mitteilte, sprengten sich Selbstmordattentäter mit ihren Autos vor den Niederlassungen des Inlands- und des militärischen Geheimdienstes in die Luft. Die Anschläge wurden demnach von der islamistischen Al-Nusra-Front verübt.

Die Beobachtungsstelle sprach von einer großen Zahl von Verletzten, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Die meisten Einwohner hätten die Stadt Tschaddade verlassen, teilte die Beobachtungsstelle weiter mit, die sich auf ein weit gespanntes Netz von Informanten in den Gesundheitsdiensten und im Militär stützt. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

Die Al-Nusra-Front propagiert den "Heiligen Krieg". Sie bekannte sich in den vergangenen Jahren bereits zu zahlreichen Anschlägen. Von der US-Regierung wird die Al-Nusra-Front als "terroristische Organisation" eingestuft. Der folgenschwerste Anschlag wurde am 24. Januar in der Gegend von Damaskus verübt. Damals wurden 53 Geheimdienstoffiziere getötet.

Der syrische Präsident Baschar al Assad, dessen Rücktritt die bewaffneten Aufständischen seit fast zwei Jahren herbeizuführen versuchen, sagte am Montag beim Besuch einer jordanischen Delegation, seine Staatsführung werde ihre "Prinzipien" gegen jede Art von "Komplott" aufrechterhalten. Syrien bleibe das "pochende Herz der arabischen Welt" und werde sich durch keine Art des "Drucks" erschüttern lassen.

Syrische Rebellen berichten von Erfolgen

Die syrische Opposition erzielte nach eigenen Angaben Erfolge. Die Rebellen seien im östlichen Sektor von Damaskus auf dem Vormarsch, sagte ein Aufständischer. Die Armee habe Panzer aus dem Vorort Daraja im Südwesten der Hauptstadt abziehen müssen, wo sie seit zwei Monaten gegen die Rebellen kämpfe. Die Einheiten seien nach Dschobar im Osten verlegt worden. Dort finde die Hauptschlacht statt. Mehrere Oppositionsgruppen gaben die Einnahme eines Wasserkraftwerkes am Takba-Staudamm nahe Aleppo bekannt. Zwar ist unklar, ob das Werk noch Strom liefert. Der Sieg wäre jedoch von symbolischer Bedeutung, weil der aufgestaute See den Namen al Assad trägt.

Die Angaben aus Syrien können nicht überprüft werden, da Journalisten kaum Zugang haben. Seit März 2011 sind im Bürgerkrieg nach UN-Schätzungen mehr als 60.000 Menschen ums Leben gekommen.

mlr/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters