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Trauermarsch von Paris Die Anführer der Welt, die nicht anführen


Das Bild ging um die Welt: 50 Staats- und Regierungschefs marschieren Arm in Arm durch Paris. Es wirkte zwar so, als würden sie dem Trauerzug vorangehen, doch tatsächlich waren sie nur unter sich.

Der Schulterschluss der 50 ist jetzt schon eines der Bilder des Jahres: Mehr als 50 Staats- und Regierungschefs waren nach Paris gekommen, um den Opfern des Pariser Anschlags sowie der Geiselnahme zu gedenken. Und zusammen mit mehr als einer Million Menschen für Pressefreiheit zu demonstrieren. Auch wenn nicht jeder geladene Staatsgast ein geeigneter Vertreter für das freie Wort war, der eine oder andere Ex-Führer ungebeten in den Vordergrund schummelte und der wohl wichtigste Staatschef gar nicht erschien - wichtig war es dabei zu sein. Dabei in der Riege der Großen, die voran gehen und Solidarität demonstrieren. Anführer eben. Auch wenn die Spitzenpolitiker aus aller Welt genau genommen niemanden so richtig angeführt haben.

Die Bilder, die die Fotografen vor Ort gemacht hatten, erweckten den Eindruck, als würden Francois Hollande, Angela Merkel, Jean-Claude Junker und Donald Tusk tatsächlich der riesigen Menschenmenge voranschreiten. Doch neue Bilder, die die Szenerie aus der Luft zeigen, machen klar: Da marschierte eher ein kleiner Block isoliert über die Straßen von Paris - begleitet von einem Tross zahlloser Sicherheitsleute.

Englische Medien berichten, dass der einsame Marsch der Weltführer abseits der eigentlichen Route entlanggeführt wurde. Offenbar um 15.30 Uhr am Platz Léon Blum – ungefähr auf halber Strecke der offiziellen Wegstrecke. Danach waren die meisten der Gäste wieder abgereist, während die Millionen anderen Teilnehmer die rund drei Kilometer vom Platz der Republik zum Platz der Nation zurücklegten.

Die Tatsache, dass die Solidaritätsbekundung am Rande des eigentlichen Zugs stattfand, sorgt für eine Reihe hämischer Kommentare. Ein Korrespondent der britischen Financial Times etwa twitterte: "Sieht so aus, als würden die Anführer der Welt nicht wirklich "anführen". Und der US-Politologe Ian Bremmer schrieb: "All diese Weltführer - eigentlich nicht bei dem Marsch dabei". Als Entschuldigung für die Staatenlenker muss natürlich angemerkt werden, dass niemand für ihre Sicherheit hätte garantieren können, wenn sie tatsächlich der Menschenmenge vorangeschritten wären, wie einige Bilder das suggerieren. Vor allem dann nicht, wenn so gleich fünf Dutzend von ihnen, böse formuliert, auf dem Silbertablett serviert werden.

nik

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