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Zahl der Toten angestiegen: Spitzenpolitiker in China wegen Coronavirus-Epidemie abgesetzt

Die Zahl der Toten durch das Coronavirus in China ist auf mehr als 1300 gestiegen. Die Epidemie hat nun auch Konsequenzen für zwei politische Chefs der besonders betroffenen Region: Sie wurden abgesetzt.

Jiang Chaoliang, Parteichef der Provinz Hubei, wurde am 13. Februar offiziell aus seinen Ämtern entfernt

Jiang Chaoliang, Parteichef der Provinz Hubei, wurde am 13. Februar offiziell aus seinen Ämtern entfernt

DPA

Die weiterhin rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in China hat zu ersten größeren personellen Konsequenzen im politischen Apparat der Volksrepublik geführt. Die obersten politischen Chefs der besonders hart getroffenen Provinz Hubei, Jiang Chaoliang, und der dortigen Millionenmetropole Wuhan, Ma Guoqiang, wurden abgesetzt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag meldete. Kurz zuvor hatte die Provinzregierung einen besonders starken Anstieg der Totenzahlen der Epidemie innerhalb nur eines Tages bekannt gegeben. Bereits am Montag waren zwei Leiter der Gesundheitsbehörden in Hubei entlassen worden.

Die personellen Veränderungen seien "nach gründlicher Erwägung" und "im Einklang mit den Bedürfnissen nach Kontrolle der Epidemie" vollzogen worden, meldete Xinhua. In der chinesischen Bevölkerung hatte zuletzt die Kritik am Umgang der Behörden mit der Epidemie zugenommen.

Mehr als 60.000 Coronavirus-Infizierte in China

Die Kritik schwoll an, nachdem in der vergangenen Woche der junge Augenarzt Li Wenliang in Wuhan an der Infektion gestorben war, die er sich im Kampf gegen die Epidemie zugezogen hatte. Li war einer der Ersten gewesen, die vor dem neuartigen Virus gewarnt hatten. Die Behörden hatten deshalb anfangs versucht, ihn zum Schweigen zu bringen. In Onlinenetzwerken wurde Li als Held und Märtyrer gerühmt.    

Die nun vermeldeten 242 weiteren Toten in Hubei waren der mit Abstand stärkste Anstieg der Todesfälle innerhalb eines Tages seit Ausbruch der Epidemie. Die offizielle Gesamtzahl der Todesopfer in Festlandchina wuchs damit auf mindestens 1355. Der Gesundheitsausschuss der Provinzregierung teilte außerdem mit, dass in Hubei bei 14.840 weiteren Menschen eine Ansteckung mit dem Erreger bestätigt worden sei. Die offizielle Gesamtzahl der Krankheitsfälle in Festlandchina stieg damit auf fast 60.000.

Xi Jinping lobt Behörden

Die besonders deutliche Zunahme der Toten- und Infektionszahlen hängt nach Angaben der Behörden damit zusammen, dass die Mediziner inzwischen die Verfahren zur Diagnose des Virus Covid-19 ausgeweitet haben. Demnach wird mittlerweile nicht nur das Standardverfahren des Nukleinsäure-Tests angewendet, sondern auch sogenannte Bildgebungsverfahren zur Untersuchung der Lunge.

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Nur wenige Stunden vor Bekanntgabe der neuen Toten- und Krankenzahlen hatte Staatschef Xi Jinping die "positiven Ergebnisse" der von den Behörden getroffenen Maßnahmen gegen das Virus gepriesen. Die allermeisten Todes- und Infektionsfälle treten weiterhin in Hubei auf. Die Behörden haben die Provinz weitgehend von der Außenwelt abgeschottet.

Außerhalb von China gibt es inzwischen mehr als 400 Infektionsfälle in rund 25 Ländern, darunter 16 nachgewiesene Ansteckungen in Deutschland. Die größte bekannte Verbreitung des Virus außerhalb von China gibt es bislang auf einem Kreuzfahrtschiff, das seit vergangener Woche in Japan unter Quarantäne steht. Unter den 3711 Menschen, die mit der "Diamond Princess" nach Japan gelangt waren, wurden inzwischen weitere 44 positiv auf den Erreger getestet, wie der japanische Gesundheitsminister Katsunobu Kato mitteilte. Die Zahl der bestätigen Infektionsfälle auf dem Schiff wuchs damit auf 218.

rw / AFP