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Conde neuer Präsident: Guinea wählt zum ersten Mal demokratisch

52 Jahre Unabhängigkeit, doch Demokratie war bisher nicht in Sicht: Schon lange leiden die Menschen in Guinea unter korrupten Politikern, Staatsstreichen, und blutiger Gewalt. Nun stimmten sie für ihren Staatspräsidenten erstmals in freien Wahlen - und mussten feststellen, dass Demokratie über Nacht nicht vor Unruhen schützt.

Oppositionsführer Alpha Conde ist neuer Präsident der westafrikanischen Republik Guinea. Der 72-Jährige kam nach dem vorläufigen Endergebnis der Wahlkommission in Conakry auf 52,5 Prozent der Stimmen, ist somit der erste demokratisch gewählte Präsident seines Landes. Für den früheren Regierungschef Cellou Dalain Diallo hatten demnach bei der Stichwahl am 7. November 47,5 Prozent der Wähler gestimmt.

Unruhen überschatten "historischen Moment"

Unmittelbar nach Bekanntgabe der Ergebnisse in der Nacht zum Dienstag sprach Conde von einem "historischen Moment" und einer "neuen Ära" und rief seinen Gegner zur Zusammenarbeit auf. "Es ist Zeit, einander die Hände zu reichen", sagte er. Nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses wurden spontane Freudenkundgebungen gemeldet. In Moyen Guinee, der Hochburg Diallos, kam es allerdings zu Unruhen und Demonstrationen enttäuschter Wähler.

Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1958 erlebte Guinea eine Reihe von Staatsstreichen. Nach dem Tod von Präsident Lansana Conte im Dezember 2008 putschte sich eine Gruppe von Offizieren an die Macht, die nach der blutigen Niederschlagung einer Demonstration der Opposition im vergangenen Jahr weltweit verurteilt wurde.

Condes Comeback-Sieg

In der ersten Wahlrunde im Juni hatte Diallo mit 43 Prozent die meisten Stimmen erhalten, für Conde hatten 18 Prozent der Wähler gestimmt. In ersten Reaktionen sprach Diallo, der auch bei der Stichwahl anfänglich in Führung lag, von Wahlbetrug.

Diallo gehört der Volksgruppe der Peul an, die die größte ethnische Gruppe Guineas ist, aber noch nie einen Präsidenten stellte. Conde ist ein Malinke, deren Gruppe stark in der Armee vertreten ist. Ethnische Spannungen hatten die Stichwahl überschattet und wiederholt zur Verschiebung des Wahltermins geführt.