Darfur "Das Morden wird weitergehen"


Die Friedensverhandlungen für Darfur sind gescheitert. Selbst bei letzten Gesprächsversuchen nach Ablauf der Einigungsfrist, sperrten sich zwei Rebellengruppen gegen den Friedensplan.

Die Konfliktparteien in der sudanesischen Elendsregion Darfur haben die Chance für eine Friedensregelung nicht genutzt. Zwei gegen die Zentralregierung in Khartum kämpfende Rebellengruppen lehnten den unter internationaler Vermittlung erreichten Friedensplan ab. Die von der Afrikanischen Union (AU) gesetzte Frist für eine Einigung lief am Freitagmorgen ab. Der US-Gesandte Robert Zoellick hielt jedoch die Möglichkeit neuer Gespräche in der nigerianischen Hauptstadt Abuja offen.

"Wir werden nicht unterschreiben", sagte ein Sprecher der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA), der größten Rebellenbewegung in der Darfur-Region. Auch die kleinere Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM) bekräftigte ihren Widerstand gegen das Abkommen, das die sudanesische Regierung bereits akzeptiert hat. Deren Chef-Unterhändler Ahmed Tugod verlangte für seine Organisation das Amt eines zweiten Vizepräsidenten in der Regierung.

Die Friedensverhandlungen wurden nach Ablauf der Frist um Mitternacht noch fünf Stunden lang fortgesetzt, ehe ihr Scheitern feststand. Die Regierung in Khartum hatte zuletzt noch Zugeständnisse an die Rebellen signalisiert. Dabei ging es unter anderem um eine schnellere Entwaffnung der arabischen Dschandschawid-Milizen, die wiederholt in Dörfer der afrikanischen Zivilbevölkerung eingefallen sind.

"Das Morden wird weitergehen"

Der Vermittler der Afrikanischen Union, Salim Ahmed Salim, hatte die gesetzte Frist für ein Verhandlungsergebnis zwei Mal verlängert. Auf die Frage, was im Fall eines Scheiterns der Gespräche geschehe, sagte er: "Das Morden wird weitergehen, das Leid und all die Zerstörung".

Die seit drei Jahren anhaltende Gewalt im Westen des Sudans hat bislang mindestens 180.000 Menschen das Leben gekostet. Zwei Millionen Menschen wurden in die Flucht getrieben. In New York rief UN-Generalsekretär Kofi Annan alle beteiligten Parteien auf, doch noch zu einer Einigung zu gelangen. Gleichzeitig erklärte er, dass die internationale Gemeinschaft die Pflicht habe, die Bevölkerung der Darfur-Region zu schützen, notfalls auch mit einem militärischen Einsatz.

Bevölkerung notfalls auch mit militärischem Einsatz schützen

Der britische Vermittler Ian Pearson warnte jedoch: "Die internationale Gemeinschaft wird kein Verständnis haben, wenn sie diese Gelegenheit zum Frieden nicht nutzen." Der Friedensplan sieht unter anderem vor, dass 4.000 Kämpfer der Rebellen in die nationalen Streitkräfte integriert werden, weitere 1.000 in die Polizeikräfte. Außerdem sollen die Rebellen 70 Prozent aller Parlamentsmandate in den drei Darfur-Provinzen erhalten.

Michelle Faul, AP AP

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