Die China-Reise des Kim Jong Il Neue Hoffnung für "Sechs-Nationen-Gespräche"?


Die China-Reise des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il hat Hoffnungen geweckt, Pjöngjang könnte die Gespräche über sein umstrittene Atomprogramm wieder aufnehmen.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il ist laut offiziellen Stellen zu einem seiner seltenen Besuche im Nachbarland China eingetroffen. Ein Mitarbeiter des chinesischen Tourismusbüros an der Brücke der Freundschaft, die beide Länder miteinander verbindet, sagte, Kim habe am frühen Morgen den Grenzposten in Dandong passiert. Peking, das den Besuch zunächst nicht bestätigte, ist der engste Verbündete des kommunistischen Nordkorea.

Polizei und Armee hätten zuvor die Anweisung erteilt, vorübergehend keine Touristen abzufertigen, sagte der Mitarbeiter des Tourismusbüros. Auch Bahnmitarbeiter der an Nordkorea grenzenden chinesischen Provinz Liaoning bestätigten, dass ein Sonderzug aus dem Nachbarland eingetroffen sei. Das Außenministerium in Peking bestätigte einen Besuch Kims zunächst nicht.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap hatte am frühen Morgen gemeldet, ein Sonderzug, in dem sich vermutlich Nordkoreas Staatschef aufhalte, sei an der Grenze eingetroffen. Der Zug fahre nach Dalian im Süden der Halbinsel Liaoning weiter, wo für die nordkoreanische Delegation bis Dienstagabend ein Seitenflügel eines Luxushotels reserviert worden sei. Später berichtete Yonhap unter Berufung auf ungenannte Quellen, Kim sei in der Nobelherberge in Dalian gesehen worden. Ziel der Reise sei die chinesische Hauptstadt Peking.

Ein Pressefotograf der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo News, der Kim in Dalian ablichten sollte, wurde für mehr als eine Stunde von der Polizei festgehalten, wie der Agenturbürochef in Peking sagte.

Japanische und südkoreanische Medien hatten Ende April über einen möglichen bevorstehenden Besuch des nordkoreanischen Staatschefs in China spekuliert. Kim war zuletzt 2006 mit dem Zug dorthin gereist, da er für seine Abneigung gegenüber Flugreisen bekannt ist; es ist seine fünfte Zugreise nach China.

China ist für das verarmte Nordkorea ein wichtiger Geldgeber und Hauptlieferant für Treibstoff und Lebensmittel. Analysten zufolge könnte Peking Pjöngjang dazu bewegen, wieder an den Verhandlungstisch der "Sechs-Nationen-Gespräche" zurückzukehren. Die im August 2003 aufgenommenen Gespräche über das umstrittene Atomprogramm Pjöngjangs, an denen neben Nordkorea und China auch Südkorea, Japan, Russland die USA teilnehmen, liegen seit April 2009 auf Eis.

AFP AFP

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