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US-Präsident und sein Chefstratege: Machtkampf im Weißen Haus - Trump geht auf Distanz zu Bannon

Es galt als der eigentlich mächtige Mann im Weißen Haus; mancher sprach vom Schatten-Präsidenten. Doch für Steve Bannon, den gefürchteten Chefstrategen von Donald Trump, hat sich der Wind gedreht. Ein Interview zeigt: Bannon hat bei Trump kaum noch was zu melden.

Donald Trump fasst Steve Bannon mit beiden Händen auf die Schulter - beide haben ernste Gesichter

Zwei wie Pech und Schwefel? Eher nicht. US-Präsident Donald Trump (l.) geht zunehmend auf Distanz zu Steve Bannon, den sogenannten Chefstrategen.

US-Präsident Donald Trump steht ganz offensichtlich nicht mehr vorbehaltlos hinter seinem hochumstrittenen Chefstrategen Steve Bannon. Trump bezeichnete Bannon in einem Interview des Boulevardblatts "New York Post" zwar als "guten Kerl". Doch fügte er offenbar mit Blick auf Konflikte unter seinen Mitarbeitern im Weißen Haus hinzu: "Ich habe ihnen gesagt, dass sie es zurechtbiegen sollen, oder ich werde das tun."

Damit bezog sich der Präsident auf Bannons Konflikte mit anderen Mitarbeitern - darunter Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner - über welche die US-Medien zuletzt viel berichtet hatten. Trump sagte in dem Interview auch: "Ich mag Steve." Doch erinnerte er im selben Atemzug daran, dass Bannon seinem Wahlkampfteam erst "sehr spät" beigetreten war - dies war im vergangenen August.

Donald Trump: Schon durchgesetzt als Bannon kam

Zu diesem Zeitpunkt habe er sich im republikanischen Vorentscheid bereits durchgesetzt gehabt, betonte Trump. Bannon habe er damals noch nicht gekannt. Und er habe zu dem Zeitpunkt, als dieser seinem Team beitrat, auch nicht vorgehabt, seine Strategie im Zweikampf gegen die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, zu ändern, sagte Trump. Mit diesen Worten wollte er anscheinend dem Eindruck entgegentreten, dass er seinen Wahlsieg entscheidend Bannon zu verdanken habe. Als Indiz für den sinkenden Einfluss des als ultrarechter Ideologe geltenden Beraters war zuletzt von US-Kommentatoren gewertet worden, dass Bannon nicht mehr dem Nationalen Sicherheitsrat angehört.

Die Berufung des Ex-Chefs des rechtspopulistischen Portals "Breitbart News" in das mächtige Gremium, das den Präsidenten in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik berät, hatte unter Trump-Kritikern große Sorge ausgelöst. Das Gremium wurde anfänglich von dem früheren General Michael Flynn geleitet. Flynn steht Bannon ideologisch nahe, insbesondere in der harten Islam-Kritik. Flynn musste jedoch zurücktreten, weil er über seine Kontakte zum russischen Botschafter die Unwahrheit gesagt hatte.
Sein Nachfolger, der Generalleutnant Herbert Raymond McMaster, vertritt deutlich moderatere und pragmatischere Positionen. McMaster bekam von Trump zugestanden, dass er über die Zusammensetzung des Sicherheitsrats selbst entscheiden kann. Für Bannon war da kein Platz mehr.

Bannon-Lager zeigt sich verstört

Im Bannon-Lager innerhalb der Trump-Administration herrscht seit dem Interview Alarmstimmung, berichtet die "New York Post" weiter. Die Äußerungen hätten die Vertrauten Bannons aus heiterem Himmel getroffen und sehr verstört, heißt es dort. Beobachter werten das Interview gar als weiteres Zeichen, dass nach der Inauguration als Schatten-Präsident gefürchtete Mann die Trump-Regierung schon bald verlassen könnte.


dho/Daniel Jahn / AFP