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Kushner vs. Bannon: Trump hat genug von den "Messerkämpfen" seiner Berater

Hinter den Kulissen im Weißen Haus findet ein Machtkampf statt. Donald Trumps ultrarechter Chefstratege Stephen Bannon scheint an Einfluss zu verlieren. Profiteur ist Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.

Jared Kushner und Stephen Bannon

Ringen um Einfluss auf Trump: Schwiegersohn Jared Kushner (l.) und Chefstratege Stephen Bannon

US-Präsident war in der vergangenen Woche viel beschäftigt. Der Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in seiner Residenz Mar-a-Lago in Florida, der Luftschlag gegen das Assad-Regime in Syrien und die Krise mit Nordkorea - außenpolitisch hat Trump im Moment alle Hände voll zu tun. All' das zahlt sich aus für das Ansehen des so umstrittenen US-Präsidenten. Trump erhielt vor allem wegen des Luftschlags gegen Assad viel Zuspruch - von der Opposition im eigenen Land wie international.

Seine Politik scheint sich, zumindest außenpolitisch, zu wandeln. Von "America first" ist im Moment wenig zu spüren. Stattdessen scheinen die USA in die Rolle der selbsternannten Ordnungsmacht zurückzukehren. Die positiven Schlagzeilen standen aber auch in der vergangenen Woche im krassen Gegensatz zu den kolportierten Chaos-Gesichten aus dem Weißen Haus. Dort tobt unvermindert ein heftiger Machtkampf zwischen der liberalen Fraktion um Trumps Schwiegersohn Jared Kuhsner und dem ultra-rechten Chefstrategen  um Macht und Einfluss.

Donald Trump hat genug von den Grabenkämfen

Doch Trump hat offensichtlich genug von den "Messerkämpfen" der Berater, wie die "New York Times" schreibt. Er will die Außendarstellung seiner Präsidentschaft nicht weiter von solchen Grabenkämpfen beschädigen lassen. Deshalb soll er am Freitagnachmittag einen Friedensgipfel zwischen Kushner und Bannon angeordnet haben, der von Stabschef Reince Priebus geleitet wurde. Das berichten übereinstimmend mehrere US-Medien.

Laut "Washington Post" sei das knapp einstündige Treffen "einvernehmlich" verlaufen. Kushner wie Bannon versicherten, in Zukunft besser zusammenzuarbeiten, um Trumps Agenda umzusetzen.

Aber: Zwischen Bannon und Kushner gab es in den vergangenen Wochen zunehmende Spannungen über die Ausrichtung der Politik. Ob internationale Handelsbeziehungen, die Steuerpolitik oder die Immigration - die Auffassungen darüber, wie die Politik des Weißen Hauses auszusehen hat, gehen zwischen den Lagern weit auseinander. Während sich Bannon als Garant für die Umsetzung der radikalen Wahlversprechungen Trumps betrachtet, tritt das Kushner-Lager für eine moderatere Politik ein, um das Land und die internationale Gemeinschaft nicht weiter zu spalten.

Bannon und Kushner schließen brüchigen Frieden

Doch es scheint nur ein brüchiger Frieden zu sein. Zu unterschiedlich sind die Interessen und politischen Auffassungen der beiden Männer. Tatsache ist, dass die ersten Wochen der Präsidentschaft ganz der Agenda Bannons folgten. Doch das Einreise-Verbot für Muslime aus bestimmten Ländern wie auch die gescheiterte Abschaffung von Obamacare waren böse Pleiten für Trump. Die "New York Times" sieht Bannon daher zunehmend isoliert zwischen Trump und den Angehörigen seiner Familie. Schließlich hat auch Kushners Ehefrau Ivanka einen Platz im Weißen Haus. Bannon soll Vertrauten berichtet haben, dass Kushners Leute systematisch an seinem Stuhl sägen.

Auch die Abberufung Bannons aus dem Nationalen Sicherheitsrat deutete bereits an, dass Trump für seinen Chefstrategen eine neue Rolle sucht und dieser möglicherweise an Einfluss verliert.

Fest steht nur eines: Trump hat keinen festen Plan, er handelt offensichtlich instinktiv, auch in Personalfragen. Auch Kushner sollte trotz der familiären Bande nicht zu sicher sein. Er ist ein Neuling in der Politik, mit wachsender Bedeutung haben auch Fehler größere Auswirkungen. Zudem muss Kushner wegen möglicher Kontakte zu Russland im Wahlkampf vor dem Kongress-Ausschuss aussagen. Bannon soll überzeugt sein, dass der Auftritt das Potenzial habe, die nächste Regierungskrise auszulösen.