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"New York Times"-Essay: "Es wird ihn verrückt machen": Der anonyme Anti-Trump-Text könnte mächtig nach hinten losgehen

Was bewirken die Enthüllungen in der "New York Times" über Widerstand gegen Donald Trump im Weißen Haus? Einige Republikaner befürchten: Genau das Gegenteil von dem, was der anonyme Autor wohl beabsichtigte.

US-Präsident Donald Trump reagierte wütend auf den anonymen Gastbeitrag über ihn in der "New York Times"

US-Präsident Donald Trump reagierte wütend auf den anonymen Gastbeitrag über ihn in der "New York Times" und sprach von "Verrat"

DPA

Der brisante Gastbeitrag eines ranghohen Regierungsbeamten in der "New York Times" über Widerstand gegen US-Präsident Donald Trump in den eigenen Reihen könnte Trump-kritischen Republikanern künftig das Leben schwer machen. Sie befürchteten, dass der anonyme Text die Paranoia des Präsidenten nur noch steigere, weil er ihm beweise, dass Angehörige seines eigenen Teams gegen ihn arbeiteten, schreibt die US-Zeitung "Politico", die nach eigenen Angaben mehr als ein Dutzend Republikaner, darunter neun Senatoren, zu dem Text befragt hat.

"Es wird ihn verrückt machen"

Sogar einige von Trumps offensten Kritikern erklärten dem Bericht zufolge, sie verstünden den Sinn des "Times"-Essays nicht, außer, dass nun öffentlich erklärt worden sei, was privat unter den Republikanern in Washington schon diskutiert werde, seit der Präsident vor fast zwei Jahren gewählt wurde.

"Es verstärkt irgendwie seine Botschaft da draußen, dass hier in der Washingtoner Bürokratie ein Haufen Leute eingebettet sind, die darauf aus sind, ihn zu kriegen", sagte Senator John Thune, Mitglied der republikanischen Führung, der Zeitung. "Ich bin mir nicht sicher, dass es das erreicht, was die Leute, die dahinter stecken, denken." Jetzt werde der Präsident wahrscheinlich jede Nicht-Zustimmung von Beratern mit Argwohn betrachten, schreibt "Politico".

"Was diese Person gemacht hat, ist, den Bemühungen, Trump zu zügeln, einen schweren Schaden zuzufügen ... Und es wird ihn verrückt machen", zitiert die Zeitung einen namentlich nicht genannten Republikaner aus dem Umfeld des Weißen Hauses. "Wenn Sie jetzt zum Präsidenten sagen: 'Ich sehe, worauf sie hinauswollen, aber ich bin mir da nicht sicher' - wird er denken: 'Ah, sie haben das geschrieben.'"

"Ich denke, dass es Donald Trump hilft"

Der republikanische Senator Ben Sasse aus Nebraska beklagte in einem Radiointerview: "Ich verstehe nicht, aus welchen moralischen Gründen irgendjemand so ein Stück schreibt, denn es scheint mir ziemlich offensichtlich, dass es für mehr Paranoia sorgen wird." Es gebe wirklich viele gute Leute im Weißen Haus, die versuchten, Trumps Impulsivität zu bändigen, aber das Team arbeite nicht gut zusammen und streite ständig, sagte Sasse. "Und ich denke, so etwas zu veröffentlichen, macht es nur noch schlimmer." Der Inhalt des Essays überrasche ihn aber nicht, denn es sei das, "was man von zwei Dritteln der älteren Menschen dort hört".

Laut "Politico" gibt es bislang keine Anzeichen dafür, dass der Verfasser des "New York Times"-Essays mit seiner anonymen Veröffentlichung weitere Trump-Kritiker aus der Reserve lockt. Dafür hätten aber einige von Trumps engsten Verbündeten erklärt, dass die Partei jetzt mehr denn je entschlossen sei, sich hinter dem Präsidenten zu versammeln.

"Ich denke, dass es dem Präsidenten tatsächlich hilft, dass so etwas passiert", kommentierte der republikanische Senator Jim Inhofe aus Oklahoma die Enthüllungen über die Trump-Regierung. "Da ist ein Überläufer drin. Ich denke einfach, dass das den gegenteiligen Effekt hat, den es beabsichtigte."