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Klammheimliche Änderung: Trumps Justizministerium weicht Definition von häuslicher Gewalt auf - kaum jemand merkt es

Stellen Sie sich vor, in den USA werden die "Frauenrechte um 50 Jahre zurückgeworfen" - und kaum jemand bemerkt es: Trumps Justizministerium hat klammheimlich eine Definition der Obama-Regierung verändert. Womöglich mit gewaltigen Folgen.

Donald Trumps Justizministerium ändert klammheimlich Definition zu häuslicher Gewalt

Was ist häusliche Gewalt? Das US-Justizministerium von Präsident Donald Trump hat die alte Definition (kl. Bild, l.) überarbeitet - und kürzer gefasst (kl. Bild, r.)

AFP

"Was ist häusliche Gewalt?" Unter dieser Überschrift hat das Justizministerium von US-Präsident Barack Obama (2009 bis 2017) versucht, konkrete Antworten zu geben. Auf knapp 2700 Zeichen wurden etwa "sexueller Missbrauch", "emotionaler Missbrauch", "ökonomischer Missbrauch" - etwa durch das Schaffen von finanziellen Abhängigkeiten - und "psychologischer Missbrauch" als häusliche Gewalt definiert. Eine Spezifizierung und umfassende Erweiterung, die laut "The Independent" in Zusammenarbeit mit Experten und Organisationen erarbeitet wurde. Unter anderem, um die Rechte von Frauen und Minderheiten effektiver und stärker zu schützen.

So definiert das Justizministerium unter Barack Obama "Häusliche Gewalt"

"Was ist häusliche Gewalt?": So definiert das Justizministerium unter Barack Obama den Begriff

Nun wurden in den USA die "Frauenrechte um 50 Jahre zurückgeworfen", kritisieren Experten. Denn das Justizministerium von Donald Trump folgt einer anderen, wesentlich schlankeren Definition - und hat die Erklärung der Obama-Regierung auf knapp 900 Zeichen eingestampft. 

"Was ist häusliche Gewalt?": So definiert das Justizministerium unter Donald Trump den Begriff

"Was ist häusliche Gewalt?": So definiert das Justizministerium unter Donald Trump den Begriff

"Wir sind buchstäblich in die 70er Jahre zurückgekehrt"

"Ich war massiv überrascht und wirklich schockiert", sagt Holly Taylor-Dunn dem "Independent". Die Dozentin an der britischen Universität von Worcester arbeitet seit 17 Jahren auf dem Gebiet der sexuellen und häuslichen Gewalt und hält es für "unheimlich, wie still" diese Änderung vorgenommen worden sei.

Denn: Trumps Justizministerium hat laut "Independent" schon im April 2018 den Rotstift angesetzt. Mitbekommen hat es allerdings kaum jemand. Die Änderung wurde nicht offiziell und öffentlich kommuniziert. Bis heute.

"Wir sind buchstäblich in die 70er-Jahre zurückgekehrt", so Taylor-Dunn weiter. Die Definition von häuslicher Gewalt lediglich auf physisches Leiden herunterzubrechen, würde "komplett untergraben, was häusliche Gewalt wirklich bedeutet."

Der direkte Vergleich zeigt, dass vieles fehlt

Wer die Texte vergleicht, wird in der Tat feststellen: seelische, sexuelle, ökonomische Gewalt sind nicht mehr Teil der aktuellen Definition. Häusliche Gewalt ist unter Trumps Regierung nur noch rein körperlicher Natur. Auch der Zusatz im Obama-Papier, dass häusliche Gewalt jeden treffen könne - ungeachtet der Herkunft, Hautfarbe und Religion - ist der neuen Version nicht mehr zu entnehmen.

"Klar ist, dass diese scheinbar semantischen Veränderungen, auch wenn sie noch nicht in offiziellem Recht oder Politik verankert sind, Teil eines umfassenderen Trends zur Abwertung von Frauen durch diese Regierung und diesen Präsidenten sind", analysiert die Frauenrechtsexpertin Natalie Nanasi in einem Beitrag für das US-Online-Magazin "Slate". Die Änderungen könnten die Rechte von Frauen, die Opfer von sexueller und häuslicher Gewalt wurden und werden, einschränken.

Quellen: Justice.gov, web.archive, "Independent", "Slate"

fs