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Telefonat mit Republikaner Bei Anruf Trump: Wenn sogar "mein Kevin" mit dem Präsidenten bricht

Der scheidende US-Präsident Donald Trump
Sucht das Gespräch: der scheidende US-Präsident Donald Trump
© Tia DUFOUR / The White House / AFP
Ist Donald Trump in der Leitung, bekommt sein Gesprächspartner oft Ungeheuerliches zu hören. Nun soll ausgerechnet ein bislang eifriger Unterstützer des Präsidenten zur Generalkritik ausgeholt haben.

Nach einem Telefonat mit Donald Trump ist man immer schlauer. Man erfährt zum Beispiel...

Zumindest Trump weiß den fragwürdigen Austausch zu schätzen, scheint es. Er bezeichnet selbst Telefonate als "perfekt", die zu einem Amtsenthebungsverfahren gegen ihn geführt haben. Gerade versuchen die Demokraten im Repräsentantenhaus ein zweites Mal, ihn abzusetzen. Sie werfen dem scheidenden Präsidenten Anstiftung zum Aufruhr vor, nachdem ein wütender Mob wohl auf sein Geheiß das Kapitol in Washington gestürmt hat. Aber auch davon will Trump nichts wissen, wie nun ein neues Telefonat belegen soll.

Es soll ein Gespräch in "angespannter" Atmosphäre gewesen sein, zeitweise "aggressiv", will das Nachrichtenportal "Axios" unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen erfahren haben. Mehr als 30 Minuten habe der Präsident am Montagmorgen (Ortszeit) mit Kevin McCarthy telefoniert, seines Zeichens der Minderheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus und ein treuer Trump-Mann – zumindest bisher. Denn bei der Unterredung mit "meinem Kevin", wie ihn Trump in der Vergangenheit liebevoll genannt hat, soll es zum offenen Bruch gekommen sein.

"Hören Sie auf. Es ist vorbei. Die Wahl ist gelaufen."

Allen Belegen zum Trotz soll Trump darin behauptet haben, dass Linksradikale von der "Antifa" für die Tumulte am Kapitol verantwortlich gewesen seien. Das stimmt nicht – weiß auch McCarthy: "Es war nicht die Antifa, es war MAGA", soll er dem Präsidenten gesagt haben, also "Make America Great Again" – jene Wahlkampfparole, die Trump vor vier Jahren ausgegeben hat. "Ich weiß es, ich war da."

An besagtem 6. Januar war auch McCarthy im Kongress zugegen, um den Wahlsieg des gewählten Präsidenten Joe Biden formal zu bestätigen, bevor die Sitzung aufgrund der Krawalle unterbrochen werden musste. Zuvor hatte er einigen Republikanern grünes Licht gegeben, Einspruch gegen den Wahlsieg des Demokraten zu erheben. Insofern hat McCarthy in dem Telefonat eine ideologische Kehrtwende vollzogen.

Vonseiten Trumps war nach Angaben von "Axios" hingegen kein Einlenken erkennbar gewesen. Er soll in dem Telefonat weiter von einem angeblichen Wahlbetrug fabuliert haben, für den es noch immer keine Belege gibt. Daraufhin soll ein "verärgerter" McCarthy gesagt haben: "Hören Sie auf. Es ist vorbei. Die Wahl ist gelaufen." Der Republikaner soll dem uneinsichtigen Präsidenten sogar vorgeschlagen haben, Biden anzurufen, sich mit ihm zu treffen und den traditionellen Willkommensbrief an seinen Amtsnachfolger zu verfassen, der üblicherweise im Schreibtisch des Oval Office hinterlegt wird – so, wie es auch schon Obama für Trump getan hat und viele scheidende Präsidenten vor ihm. 

Ob er den Brief verfassen wird, habe Trump noch nicht entschieden, heißt es. Mag er zwar am Telefonhörer nicht glänzen, so scheint er doch ein begnadeter Brieffreund zu sein. Vor zwei Jahren hatte er "wunderschöne" und "großartige" Briefe erhalten. "Und dann haben wir uns verliebt", bekannte Trump damals. Die Rede war von Kim Jong-un, dem nordkoreanischen Diktator.

fs / fs

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