VG-Wort Pixel

"NYT"-Recherche Die 100 Lügen des Donald Trump

Donald Trump und seine Lügen
Donald Trump und die Wahrheit - ein ganz besonders spezielles Verhältnis
© /Charlie Neibergall/AP
100 Lügen in fünf Monaten. So lässt sich die aufwendige Recherche der "New York Times" über Donald Trumps Verhältnis zur Wahrheit zusammenfassen. Beim Blick auf seine Unwahrheiten zeichnen sich mehrere Muster ab.

Die gute Nachricht lautet: Donald Trump nimmt es mit der Unwahrheit nicht mehr so genau. Anders gesagt: Er lügt weniger. Im Juni nachweislich (bislang) nur vier Mal, im Januar dagegen sieben Mal in nur zehn Tagen nach seinem Amtsantritt am 21. des Monats. Darunter war zum Beispiel die mittlerweile legendäre (aber falsche) Aussage, seine Inauguration hätte die meisten Zuschauer aller Amtseinführungen gehabt bis zu der Behauptung, ihm, Donald Trump, habe das "Time"-Magazin die meisten Cover gewidmet. (Es war Richard Nixon). In einer Mammutrecherche hat die "New York Times" (NYT) sämtliche Aussagen des US-Präsidenten analysiert und daraus alle Lügen, Un- und Halbwahrheiten destilliert. Ergebnis: In den fünf Monaten im Weißen Haus kommt sie auf sage und schreibe 100 bewiesene Falschaussagen.

Donald Trumps Neigung zur Angeber-Lüge

Es wäre jetzt zu einfach zu sagen, dass Politiker ohnehin selten die Wahrheit sagen. Manche von ihnen mögen Meister darin sein, Tatsachen in ihrem Sinne zuzuspitzen, schön zu reden oder ihnen unliebsame Aspekte wegzulassen - bei Donald Trump aber liegt die Sache anders. Viele der dokumentierten Falschaussagen zeigen vor allem, dass der US-Präsident ohne ersichtlichen Grund zur schlichten Angeber-Lüge neigt.  Wie etwa am 16. Februar, als er zu Protokoll gab, sein Sieg im Wahlmännergremium sei der höchste seit Ronald Reagan gewesen. Tatsächlich aber haben drei von vier US-Präsidenten ein besseres Ergebnis in dem Electoral College (es wählt das Staatsoberhaupt) erzielt. Oder einen Monat später als er sich wiederholt mit seinem Verhandlungsgeschick brüstet. "Ich habe 725 Millionen Dollar gespart (bei Flugzeugen, d.Red.). Hat mich eine halbe Stunde gekostet." Die "NYT" schreibt dazu: "Der Großteil der Kostenreduzierung wurde schon vor Trump beschlossen."

Daneben scheint der US-Präsident noch weitere Lügenmuster zu pflegen: Die Geschichtsvergessene, die Abwehrende und die Substanzlose: Zur ersten gehört etwa seine Behauptung, er sei schon immer gegen die Irak-Invasion gewesen, eine Meinung die Trump mehrfach geändert hat. Oder am 11. April, als er sagte, dass er seinen engen Berater Stephen Bannon erst während des Wahlkampfs kennengelernt habe, sich die beiden aber bereits seit 2011 kennen. Zur zweiten Kategorie gehören all jene Aussagen, die im weitesten Sinne die "Russland-Connection" betreffen. Wie etwa am 10. Februar, als er abstreitet, irgendetwas über den Fall Michael Flynn und seine Russlandkontakte zu wissen. Das aber hat sich im Nachhinein als Lüge herausgestellt.

Die Trump-Recherche auf einen Blick:

Einer der häufigsten verbalen Fehltritte, sind die substanzlosen, die, bei denen der Präsident irgendwelche Behauptungen aufstellt, ohne weitere Beweise oder Erklärungen.

  • Beispiel 25. Januar: "Schaut euch den Pew-Report an" - der Wahlbetrug beweisen soll, allerdings ist davon keine Rede in dem Report.
  • Beispiel 22. März: "…in anderen Worten, sie haben sich falsch und/oder illegal (als Wähler, d.Red.) registriert." Die "NYT" dazu: "Es gibt keine Belege für weitreichenden Wahlbetrug."
  • Beispiel 4. März: "Meine Telefone während heiligen Wahlprozesses anzapfen, wie tief konnte Präsident Obama sinken. Das ist wie Nixon/Watergate. Schlechter (oder kranker) Typ." Nochmals: Dafür, dass Ex-Präsident Barack Obama seine Telefone hat abhören lassen, fehlen bislang Beweise.

Lügt Donald Trump absichtlich?

Was seinen Vorgänger betrifft - zu ihm hat Trump ohnehin ein besonders schlechtes Verhältnis. Schon vor Jahren hatte Trump fälschlich behauptet, das Staatsoberhaupt sei zu Unrecht im Amt, weil es gar nicht in den USA geboren wurde. Trumps Faible für die Unwahrheit ist im Übrigen nichts Neues. Schon in Wahlkampf war er dadurch aufgefallen, dass er die meisten Lügen verbreitet hat. Laut der Faktencheck-Seite "Politifact" lagen vor einem Jahr rund dreiviertel aller Trump-Aussagen im Bereich zwischen "zumeist falsch und Lüge". Bei seiner Konkurrentin Hillary Clinton waren es rund 30 Prozent. "Manche Leute glauben, dass der Präsident nicht immer buchstäblich das meint, was er sagt", so die "New York Times" über ihre aktuelle Recherche. Und weiter: "Wir aber glauben, dass seine Unwahrheiten einem Muster folgen, die vor allem seinen eigenen Zwecken dienen - als Geschäftsmann und Politiker. Und dass seine Aussagen deshalb nicht einfach nur unvorsichtige Fehler sind."

Donald Trump neben dem US-Senat

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker