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Parteitag der US-Republikaner Warum das Wahlkampfteam von Donald Trump "wirklich enttäuscht" von mir ist

Nach dem Ende ihres Parteitages loben die US-Republikaner Donald Trump und den Nominierungskonvent in den höchsten Tönen. Für das Wahlkampfteam des Präsidenten gab es am Abschlusstag dennoch einen Wermutstropfen.

Mit der Rede von US-Präsident Donald Trump auf dem Südrasen des Weißen Hauses haben die Republikaner ihren viertägigen Parteitag beendet. In seiner Ansprache schilderte Trump seine Amtszeit in Farben, die so schillernd waren wie das Feuerwerk über dem Washington Monument, das die Grand Old Party abbrennen ließ, als wäre die Nominierung ihres Kandidaten ein Feiertag für die ganze Nation. Besonders herausragend fand der 74-Jährige sein eigenes Krisenmanagement in der Corona-Pandemie, seine Wirtschafts- und Steuerpolitik und seinen Umgang mit den Nato-Partnern.

Auch wenn Trumps Schwärmerei von Trump auf den einen oder anderen US-Bürger befremdlich gewirkt haben dürfte, angesichts von mehr als 180.000 Corona-Toten, Millionen von Arbeitslosen, großen wirtschaftlichen Problemen und einer von Rassismus und Polizeigewalt erschütterten Gesellschaft, urteilte seine Wahlkampfmannschaft sogar geradezu euphorisch über den Auftritt des Präsidenten.

"Ein großer und triumphaler Moment"

"Er hat gerade eine unglaubliche Rede beendet, vielleicht die beste Parteitagsrede ALLER ZEITEN", schrieb das Team Trump nach der Abschlussveranstaltung an seine E-Mail-Abonnenten. "Es war ein großer und triumphaler Moment für unser Land. Er überbrachte eine einigende Botschaft und erinnerte uns daran, dass er IMMER Amerika an die erste Stelle setzen wird."

Einen Grund zum Meckern hatten die Wahlkämpfer aber doch. Und der war ich.

Oder eigentlich war es Michael. So heiße ich bei den Republikanern, seit ich mich - ich gebe es zu - unter diesem nicht ganz echten Namen auf ihrer Webseite angemeldet habe.

"Wir wissen, dass die Fake-News-Medien nur LÜGEN über dieses historische Ereignis berichten werden und darüber, wie STARK unsere Bewegung ist", stellte die Wahlkampfmannschaft in ihrer wie immer mit Versalien, Fettungen und Unterstreichungen versehenen E-Mail an Michael fest. "Deshalb waren wir wirklich enttäuscht, als wir gesehen haben, dass Sie sich entschieden haben, nicht vorzutreten und dabei zu helfen, diesen Tag zu unserem BESTEN Spendensammeltag ALLER ZEITEN zu machen."

Da haben sie mich erwischt. Ich habe tatsächlich nicht für die Kampagne von Donald Trump gespendet. Nicht einen Cent. Noch nie. Das scheint meinem Ruf beim Team Trump aber nicht nachhaltig geschadet zu haben. "Sie waren immer einer der besten Unterstützer des Präsidenten", loben mich die Verfasser der Mail trotz meiner Knauserigkeit. Wie sie darauf kommen, ist mir schleierhaft, aber offenbar hab ich eine Menge Kredit beim Mann im Weißen Haus, denn die Wahlkämpfer zeigen sich großzügig: "Deshalb werden wir Ihnen EINE WEITERE CHANCE geben, um auf die Spenderliste zu kommen, die wir Präsident Trump übergeben", schreiben sie weiter. Bis um eine Minute vor Mitternacht hätte ich dafür noch Zeit.

Dann machen die Spendensammler mir deutlich, dass der mächtigste Mann der Welt höchstpersönlich kontrollieren wird, ob ich, der unbedeutende Michael aus Deutschland, ihm auch wirklich Geld geschickt habe. "Wir senden Präsident Trump die ENDGÜLTIGE Spenderliste direkt in sein Büro, und wir wollen ihm keine weitere Liste ohne Michael darauf geben", ermahnen mich die Kampagneros.

Ihren Hinweis garnieren sie mit einem Foto, von dem ich offenbar tatsächlich glauben soll, es zeige Trump beim Durchsehen von Spenderlisten. Dazu der Hinweis an mich: "Ihr Name könnte ganz oben stehen!"

Donald Trump liest
© Screenshot Team-Trump-E-Mail

Tatsächlich?! Mein Name ganz oben auf der Liste des US-Präsidenten?!

Moment, ich hol nur mal schnell mein Portemonnaie ...


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