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Auftritt in Late-Night-Show: Trump-Affäre "Stormy Daniels": Ich bin ein Pornostar, ich schweig mich aus

Hatte Donald Trump eine Affäre mit "Stormy Daniels"? Offiziell bestreiten beide Seiten das. Nun war der Pornostar bei Late-Night-Talker Jimmy Kimmel zu Gast und legte einen Auftritt hin, bei dem Rechtsanwälte Regie geführt haben müssen.

Stormy Daniels Donald Trump

Der Name Donald Trump ist gut fürs Geschäft, auch für das von Pornostar Stormy Daniels

AFP

Der Zeitpunkt war natürlich perfekt gewählt, denn nach Donald Trumps mit Spannung erwarteten Rede zur Lage der Nation saßen die Amerikaner ohnehin schon vor dem Fernseher. Nach anderthalb Stunden Versöhnlichem und Selbstlob von Seiten des US-Präsidenten sollte "Stormy Daniels" bei Late-Night-Talker Jimmy Kimmel ihre Version der Geschichte von Trump, der ersten Nacht und dem einjährigen Tête-à-Tête loswerden. Das war zumindest der Plan der Fernsehleute, doch der hatte einen Haken: Stephanie Clifford, als Pornostar unter dem Namen "Stormy Daniels" bekannt, wollte, konnte, dufte nichts über die angebliche Affäre mit Donald Trump sagen.

Fünfmal die Affäre bestritten

In ihrem Statement, das nur wenige Stunden vor Kimmels Show herausgegeben wurde, heißt es: "Tatsächlich haben beide Parteien (also sie selbst und der jetzige Präsident, d.Red.) bereits 2006, 2011, 2016, 2017 und nun wieder, 2018, erklärt, dass es nie eine Affäre gegeben habe. "Und ich bestreite die Affäre nicht, weil ich 'Schweigegeld' erhalten habe, wie einige Medien in ausländischem Besitz berichteten, sondern weil es keine Affäre gab." Außerdem, so Clifford abschließend, werde sie sich zu dem Thema nicht mehr äußern. Was doof ist für eine TV-Show, in der sie nur deswegen eingeladen war, weil sie vor elf, zwölf Jahren einmal was mit Trump hatte. Gehabt haben soll. Wahrscheinlich, vielleicht aber auch nicht.


Die ganze Geschichte wäre natürlich nicht so interessant gewesen, wenn nicht das "Wall Street Journal" vor Kurzem von einer "Schweigegeld-Zahlung" an "Stormy Daniels" berichtet hätte. Danach soll ihr der Trump-Anwalt Michael Cohan im Jahr 2016 vor der US-Wahl 130.000 US-Dollar bezahlt haben, damit sie nichts über ihre wie auch immer geartete Beziehung zu Trump sagt. Was sie auch nicht tat. Allerdings hatte sie wenige Jahre zuvor dem Magazin "InTouch" ein Interview gegeben, in dem sie sehr detailfreudig über ihren Sex mit Donald Trump geplaudert hatte. Zu dem Zeitpunkt, 2006, war der jetzige US-Präsident nur ein sehr berühmter TV- und Immobilien-Promi und war gerade ein Jahr mit Melania verheiratet.

Hat sie nun mit Donald Trump?

Kurzum: Es gibt zwei "Stormy Daniels". Die eine, die rund ein Jahr lang mit Donald Trump herumgemacht haben will, und die andere, die niemals mit Donald Trump herumgemacht haben will. Und nun wird es ebenso verwirrend wie interessant. Denn Cliffords hat es bei Jimmy Kimmel geschafft, die Affäre abzustreiten, ohne das "InTouch"-Interview zu wiederrufen. Es gelang ihr vor allem durch eine große, selbstredend inszenierte Schweigeoffensive.

Gleich zu Beginn der Sendung zog Gastgeber Kimmel eine Puppe hervor und sagte zu seinem Gast: "Stormy, bitte zeig mir an der Puppe, was er mit dir getan hat." Cliffords Reaktion: Sie zog ebenfalls eine Puppe hervor, deren Mund zugeklebt war. Die Botschaft des Puppentheaters war klar: Intimitäten würde es heute Abend nicht zu hören geben. Und genaugenommen auch sonst nichts. Selbst die Autorenschaft des bereits erwähnten Statements wollte sie nicht bestätigen, und spätestens da war klar, wie ziel- und sinnlos jede weitere Fragerei seitens des TV-Moderators werden würde.

"Stormy Daniels'" bemerkenswerte Herumeierei 

Der Auftritt von Stephanie Cliffords war von bemerkenswerter Herumeierei, die sich am schönsten beim Dialog über das "InTouch"-Interview entfaltete: Auf ihre Äußerungen in dem Magazin angesprochen, sagte sie, sie seien nicht präzise wiedergegeben, jedenfalls nicht in der Schriftform. Andererseits habe sie das Gespräch aber auch nicht gelesen, weil "ich zu viel Angst davor habe, es mir anzuschauen". Wer also gehofft hatte, mehr saftigen Klatsch und Tratsch über den Mann im Weißen Haus zu erfahren, wurde enttäuscht - stattdessen gab es eine skurrile Aufführung zu sehen, bei der ausgebuffte Rechtsanwälte Regie geführt haben dürften.


Clifford aber wird es kaum stören, denn am Ende gewinnen ohnehin alle. Die TV-Sender durch die erhoffte gute Quote und "Stormy Daniels" durch ihre runderneuerte Prominenz. Unter dem Namen "Make America horny again" (Amerika wieder geil machen) tourt sie zurzeit als Stripperin durchs Land. Eintritt pro Show: 40 Dollar, ganz nackig machen aber wird sie dort nicht mehr, wie ihr Manager dem stern sagte, das habe sie nicht mehr nötig. Gilt offenbar für jede Bühne, die sie betritt.