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"Die Welt verstehen" - stern-Reporter erklären: Was hat Donald Trump eigentlich gegen den Iran?

Donald Trumps demonstrativer Schulterschluss mit Saudi-Arabien ist klassische US-Außenpolitik - und ein deutliches Zeichen gegen den Iran. Dabei wäre ein Signal des Entgegenkommens gegenüber der islamischen Republik durchaus sinnvoll.

Donald Trump in Saudi-Arabien

Donald Trump zu Gast beim saudischen König Salman (M.)

Was hat Donald Trump gegen den Iran?

Saudi-Arabien ist seit vielen Jahrzehnten ein traditioneller Verbündeter der Vereinigten Staaten, der Nachbar im Osten gilt seit der "iranischen Revolution" 1979 als einer der Erzfeinde der USA. 2015 wurde das Atomabkommen mit dem Iran geschlossen, das auch von den USA mitunterzeichnet wurde. Donald Trump bezeichnete die Übereinkunft allerdings als "schlechtesten Deal aller Zeiten", daran gerüttelt hat er bislang aber nicht. Sein demonstrativer Schulterschluss mit Saudi-Arabien (und damit gegen den Iran) ist im Grunde die Fortführung klassischer amerikanischer Außenpolitik.

Warum sind Saudi-Arabien und Iran verfeindet?

Saudi-Arabien und der Iran ringen seit langer Zeit um die Vormachtstellung in der Region. Ihre gegenseitige Abneigung hat auch religiöse Gründe. Das Königreich am Golf ist sunnitisch geprägt, die Perser sind mehrheitlich Schiiten. (siehe Kasten links). Der saudische König Salman bezeichnet den Iran als "Speerspitze" des Terrorismus. Diese Position teilt Donald Trump: "Der Iran finanziert, bewaffnet und bildet Terroristen, Söldner und andere extremistische Gruppen aus", sagte er in seiner Rede in Riad. Die Perser sind in Syrien die engsten Verbündeten des Assad-Regimes sowie der Hisbollah-Miliz aus dem Libanon. Die Saudis dagegen unterstützen sunnitische Rebellengruppen. Im Nachbarland Irak steht der Iran an der Seite der (schiitischen) Regierung, während Saudi-Arabien sich als Schutzmacht für die sunnitische Minderheit betrachtet. Auch im Jemen führen die beiden Staaten einen Stellvertreterkrieg. Während Teheran der aufständischen Huthi-Miliz unter die Arme greift, stützt Riad in Zusammenarbeit (unter anderem mit den USA und Frankreich), die Kräfte des de facto entmachteten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi. Dem Islamischen Staat stehen beide Länder ablehnend gegenüber. Obwohl Saudi-Arabien ähnlich drakonische Strafen wie die sunnitischen Terrorkämpfer verhängen und in ihrem Fundamentalismus nicht weit auseinander liegen, gibt es zumindest offiziell keine Zusammenarbeit.

Müssten die USA nicht mit beiden Seiten reden?

Der Iran bestimmt, anders als die Monarchie Saudi-Arabien, sein Staatsoberhaupt mit demokratischen Wahlen. Erst am Wochenende haben sie den moderaten Hassan Ruhani zum Präsidenten gewählt, der für eine vorsichtige Öffnung des Landes steht. Daran müssten auch die Amerikaner ein Interesse haben. Abgesehen davon, werden viele Konflikte im Nahen Osten nicht ohne die Hilfe des Irans zu lösen sein. Sowohl in Saudi-Arabien als auch im Iran herrscht ein großer Reformdruck, die USA hätten die Möglichkeit, Einfluss auf reformwillige Kräfte zu nehmen. Doch der US-Präsident scheint lieber dem alten Freund-Feind-Schema zu folgen. Vermutlich auch deswegen, weil im Iran der Hass gegen die Amerikaner und Israel immer noch (staatlich) gepflegt wird.