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Per E-Mail abserviert Amtseinführung: Trump bricht Kult-Ansager der Parade das Herz

Charlie Brotman lachend - Donald Trump hat ihn als Ansager der Inaugural Parade abserviert
Charlie Brotman hat als Ansager seit 60 Jahren die Parade zur Amtseinführung der US-Präsidenten begleitet. Nun hat ihn Donald Trump per E-Mail gefeuert.
© Evan Vucci/AP
Es hat ihn tief getroffen. Er habe einen Tritt in den Hintern bekommen. Donald Trump hat Charlie Brotman gefeuert. 60 Jahre lang war er die Stimme der Parade zur Amtseinführung der US-Präsidenten. Dann kam eine E-Mail.

Als Charlie Brotman zum ersten Mal das Mikrofon ergriff, um die Parade zur Amtseinführung des US-Präsidenten anzusagen, war ein gewisser Donald J. Trump gerade einmal elf Jahre alt. Am 20. Januar 1957 wurde Dwight D. Eisenhower für seine zweite Amtsperiode vereidigt. Seither war Charlie Brotman der Announcer der Inaugural Parade in Washington und ist längst eine Institution in den USA. Bis jetzt: Der elfjährige Junge von damals wird nun selbst Präsident und zeigt wenig Respekt für den Kult-Announcer. Er ließ Brotman kurzerhand feuern.

Brotman ist inzwischen 89 Jahre alt. Einem Mann in diesem Alter den verdienten Ruhestand zu gönnen, ist sicherlich nicht abwegig. Doch die Art und Weise zeugt von wenig Respekt: Trump entließ Brotman per E-Mail. Nach 60 Jahren. Und das nicht einmal persönlich, sondern durch sein Team. "Es fühlte sich an, als hätte Muhammad Ali mir in den Magen geschlagen", sagte der betagte Ansager dem TV-Sender CNN. "Es war der Schock meines Lebens". Regelrecht zerstört habe es ihn, so vollkommen unerwartet und auf diese Weise ausgebootet zu werden. Es habe ihm das Herz gebrochen, "ich habe daran gedacht, Selbstmord zu begehen", gestand er. Glücklicherweise nur für einen Moment.

Donald Trump installiert einen Vertrauten

Hintergrund der stillosen Ablösung: Donald Trump will offenbar sogar an dieser Stelle einen seiner Vertrauten sehen. Anstelle von Brotman soll nun Steve Ray die Ansage der Parade übernehmen. Ray ist ein 58 Jahre alter freiberuflicher Moderator aus Washington, der für Lokalradios gearbeitet hat und zeitweise Stadionsprecher des Baseball-Teams der Washington Nationals war. Vor allem aber arbeitete Ray im Wahlkampf freiwillig für Donald Trump und warb in den sozialen Medien intensiv für die Wahl des Republikaners. "Ich bin ganz oben angekommen", bejubelte Ray seine Berufung. "Wir freuen uns für Ray, dass er eine neue Generation von Amerikanern zur großen Tradition der Amtseinführungs-Parade führt", fand der Sprecher von Trumps Übergangsteam, Boris Epshteyn, in einer Mitteilung pathetische Worte für den neuen Announcer.

Gleichzeitig bemühte sich Epshteyn dann doch, die Verdienste von Charlie Brotman zu ehren. So solle der 89-Jährige vom Organisationskomitee der Präsidenteneinführung zum "Announcer Chairman Emeritus", also einer Art Ehren-Ansager, ernannt werden. Schließlich würden Millionen Amerikaner und zahllose Entertainer Brotman als die Stimme der Inaugural Parade kennen.

Brotman wünscht Nachfolger Erfolg

Warum er mir nichts dir nichts abserviert wurde, hat Charlie Brotman übrigens nie erfahren. Er habe rumtelefoniert, berichtete er dem US-Nachrichtenportal "The Daily Beast", doch eine wirkliche Antwort habe er nicht bekommen. "Vielleicht hatten sie Angst, dass ich am Mikrofon tot zusammenbreche", spottete er. Allzu große Dankbarkeit hat der 89-Jährige ohnehin nicht erwartet. "In den ganzen 60 Jahren hat niemand auch nur einmal Danke gesagt." Aber: "Ich hatte erwartet, dass man mir auf den Rücken klopft", sagte Brotman dem Portal "Buzz Feed", "stattdessen habe ich einen Tritt in den Hintern bekommen."

Trotz allem liegt die Parade am 20. Januar Brotman weiter am Herzen. Seinem Nachfolger wünscht er deshalb gutes Gelingen. Von Protesten und Sprüchen wie "We want Charlie back!" will er nichts wissen. "Nein", sagt Brotman, "das will ich auf keinen Fall." Immerhin erweist Steve Ray seinem großen Vorgänger in der "Washington Post" den großen Respekt: "Ich kann nicht in seine Fußstapfen treten. Ich kann auch nicht seinen Platz einnehmen. Ich bin einfach nur der Typ, der als nächster kommt."

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dho / dho

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