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E-Mail-Affäre: Bush verurteilt Sex-Botschaften

US-Präsident George W. Bush hat sich empört über die Sex-Botschaften seines Parteikollegen Mark Foley gezeigt. Foley hat unterdessen zugegeben, homosexuell zu sein. Er habe aber nie sexuellen Kontakt mit Minderjährigen gehabt.

"Ich war über die Enthüllung entsetzt", sagte US-Präsident George W. Bush in Kalifornien. "Und ich war enttäuscht, dass er das Vertrauen der Bürger missbrauchen würde, die ihn ins Amt gehoben haben." In seiner ersten Reaktion auf die Affäre zeigte sich Bush schockiert über die SMS und E-Mails mit sexuellen Inhalten, die der Republikaner Mark Foley an Praktikanten des Kongress gesendet habe. Bush schloss sich Forderungen nach einer ausführlichen Untersuchung an. Sollte das Gesetz gebrochen worden sein, müsse dies streng geahndet werden.

E-Mails mit sexuellen Anspielungen

Der 52-jährige Foley hatte am Freitag sein Amt aufgegeben. Der Sender ABC hatte zuvor berichtet, der Abgeordnete des Repräsentantenhauses aus Florida habe E-Mails und SMS mit Anspielungen auf Geschlechtsorgane und sexuelle Handlungen an männliche "pages" geschickt - Teenager, die im Rahmen eines Praktikums für Kongressabgeordnete Anrufe entgegennehmen und Botengänge erledigen.

Sein Anwalt, David Roth, teilte erstmals offiziell mit, dass Foley homosexuell ist. Er habe aber nie sexuellen Kontakt mit Minderjährigen gehabt. Weiter sagte Roth, dass der Exabgeordnete als Teenager von einem Geistlichen missbraucht worden sei und "bis heute seine Scham für sich behalten hat".

Foley wurde sechs Mal für eine zweijährige Legislaturperiode in das Repräsentantenhaus gewählt. Er war Vorsitzender eines Gremiums der Kammer, das sich für vermisste und missbrauchte Kinder einsetzt. Mit dem Fall beschäftigt sich auch die Bundespolizei FBI und das Bundesjustizministerium.

Bush unterstützt Hastert

Bush stellte sich jedoch vor den Vorsitzenden der Kongress-Kammer, Dennis Hastert. Kritiker hatten Hastert Untätigkeit vorgeworfen und seinen Rücktritt gefordert. Zu Hastert sagte Bush, er sei "ein Vater, ein Lehrer", der "sich um die Kinder dieses Landes sorgt". Fragen von Journalisten nach einem Rücktritt Hasterts beantwortete Bush nicht. Hastert hatte nach eigenen Angaben im Herbst 2005 - auf Grund der Beschwerde von Eltern eines 16-jährigen Praktikanten - erstmals von Vorwürfen gegen Foley erfahren. Das sei aber nur vage gewesen. Das wahre Ausmaß der Probleme sei ihm erst seit kurzem bekannt, sagte der Republikaner.

Am vergangenen Wochenende hatte Hastert das Justizministerium gebeten, die Vorfälle zu untersuchen. Nach Rücktrittsforderungen der Opposition hatte auch die konservative Zeitung "Washington Times" Hastert aufgerufen, die Konsequenzen zu ziehen. Hastert wies das zurück.

Republikaner droht Verlust der Mehrheit

Kurz vor den Kongresswahlen stehen die Republikaner wegen der Affäre unter Druck. Ihnen droht der Verlust der Mehrheit in beiden Kammern. Am 7. November werden das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt. In den USA werden die Kandidaten durch Direktwahl bestimmt, nicht über ihre Parteien.

DPA/Reuters / DPA / Reuters