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Eine Stimme aus Gaza "Hier will niemand Krieg"


Maha lebt in Gaza-Stadt. Mit müder Stimme berichtet sie vom Alltag im Krieg. Ohne Strom, ohne Wasser, ohne Hoffnung. Mit einer Regierung, deren Gewalt keiner will.
Von Sophie Albers Ben Chamo

Maha klingt unendlich müde. Die Situation sei sehr angespannt. Horror. "Es wird jeden Tag schlimmer", sagt sie. Israel bombe Gaza ohne Unterbrechung - "aus der Luft, vom Boden und vom Meer aus". Sie griffen alles an, egal ob Zivilisten oder Regierungsgebäude. "Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war die schlimmste von allen." Sie seufzt leise, es ist kaum zu hören, und die Telefonverbindung krächzt.

Maha lebt in Gaza-Stadt. Sie ist hier geboren und aufgewachsen. 43 Jahre ist sie alt, gelernte Übersetzerin für Arabisch und Englisch. "Wir haben seit 18 Stunden keinen Strom mehr. Es ist Ramadan. Unser höchstes Fest, und sie greifen uns an." In Gaza gebe es keine Sirenen und auch keine Bunker. "Wir bleiben zuhause und warten auf unser Schicksal", sagt Maha mit einem Fatalismus in der Stimme, der Angst macht. Deshalb bleibe die Familie immer zusammen, falls das Haus getroffen wird. "Unser Haus bebt, wenn die Bomben in der Nähe einschlagen."

Zu essen gebe es wenig, denn die Supermärkte hätten nur zwei, drei Stunden am Tag geöffnet, und dort gebe es auch nicht mehr viel. Meist traue man sich aber sowieso nicht auf die Straße. Niemand gehe hinaus, wenn er nicht unbedingt müsse. "Wir haben Vorräte angelegt, als es losging", sagt Maha. "Konserven und so was."

Wasser? Das, was aus der Leitung kommt, sei salzig und manchmal ungenießbar. Und es komme nicht einmal jeden Tag. "Kein Wasser, kein Strom, wir leiden so sehr", sagt sie mit träger Stimme. "Und draußen denken sie, wir sind alle Hamas-Unterstützer." Aber das sei nicht wahr. "Die Hamas hat sich Gaza mit Gewalt genommen." Ihre Stimme verschwindet kurz in der schlechten Verbindung. "Wir sind normale Menschen, die Frieden wollen. Hier will niemand Krieg." Ob sie keine Angst habe, sich so offen zu äußern. "Natürlich habe ich Angst, aber ich muss reden. Wir haben keine Zukunft hier. Wir leben von einem Tag auf den anderen."

Hoffnung? "Jedes Mal wenn wir etwas für den Frieden tun, wenn wir versuchen, etwas zu ändern, dann zerstören Angriffe auf beiden Seiten alle Bemühungen. Doch einander zu töten, löst keine Probleme. Ich liebe mein Land, aber die Situation ist hoffnungslos."


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