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Entführung im Irak: "Mitarbeiter wurden in eine riesige Gefahr geschickt"

Von den beiden im Irak entführten Deutschen gibt es weiterhin keine Spur. Der Bundesregierung gelang es auch drei Tage nach der Verschleppung nicht, Kontakt zu den Entführern herzustellen. Immer stärker in die Kritik gerät der Arbeitgeber der Ingenieure.

Der Arbeitgeber der beiden Entführten, Peter Bienert, wies unterdessen Vorwürfe gegen das Unternehmen Cryotec Anlagenbau GmbH zurück. "Das sind tendenziöse Formulierungen ohne Kenntnis der Sachverhalte", sagte Geschäftsführer Bienert der "Leipziger Volkszeitung" (Freitag). Einsatzgebiet, Reiseroute und die Situation vor Ort seien im Vorfeld geprüft worden, entgegnete er dem Vorwurf der Fahrlässigkeit. Gegen Entführungen sei man im Irak nirgendwo völlig sicher.

Zugang zu den Geiseln finden

Der Krisenstab hatte sich am Donnerstag erneut bemüht, das Schicksal der beiden Sachsen zu klären. Sie waren am Dienstagmorgen nur wenige Tage nach ihrer Ankunft in der nordirakischen Industriestadt Bedschi von Bewaffneten verschleppt worden. Der frühere Kanzleramtschef Bernd Schmidbauer (CDU) kritisierte ihr Unternehmen in einem Interview der Deutschen Welle: "Hier kann auch das beste Geschäft nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mitarbeiter in eine riesige Gefahr geschickt wurden."

Außenamtsstaatsminister Gernot Erler betonte, es sei klar, dass über eine eventuelle Beteiligung der Firma an den Aufwandskosten geredet werden müsse. "Aber zum richtigen Zeitpunkt. Ich glaube, im Augenblick hat es keinen Sinn, sich mit solchen Überlegungen zu beschäftigen", sagte er dem Südwestrundfunk. Es müsse nun zunächst alles versucht werden, einen Zugang zu den Geiseln zu bekommen. "Über alles andere sollte man dann reden, wenn eine Befreiung geglückt ist."

Glos appelliert an die Kidnapper

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) warnte vor einer übereilten Diskussion über die Verantwortung von Cryotec an der Entführung ihrer beiden Mitarbeiter. "Es ist der falsche Zeitpunkt, jetzt solche Fragen aufzuwerfen", sagte er in Dresden.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) appellierte an die Kidnapper, die Männer freizulassen. Menschen wie die beiden Ingenieure seien mit dafür verantwortlich, dass Deutschland Exportweltmeister sei. Sie seien bereit, deutsche Anlagen zu montieren und "sichern damit Arbeitsplätze in Deutschland und tragen woanders in der Welt zu einer wirtschaftlichen Entwicklung bei".

dpa