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Entführung im Irak: Cryotec-Chef wehrt sich gegen Vorwürfe

Peter Bienert, der Arbeitgeber der im Irak entführten Ingenieure, weist den Vorwurf der Fahrlässigkeit zurück. Einsatzgebiet, Reiseroute und die Situation vor Ort seien im Vorfeld geprüft worden.

Nach der Entführung der zwei Ingenieure im Irak weist ihr Arbeitgeber Peter Bienert Vorwürfe gegen das Unternehmen Cryotec Anlagenbau GmbH zurück. "Das sind tendenziöse Formulierungen ohne Kenntnis der Sachverhalte", sagte Geschäftsführer Bienert der "Leipziger Volkszeitung". Einsatzgebiet, Reiseroute und die Situation vor Ort seien im Vorfeld geprüft worden, entgegnete er dem Vorwurf der Fahrlässigkeit. Gegen Entführungen sei man im Irak nirgendwo völlig sicher.

Von den beiden im Irak verschleppten sächsischen Ingenieuren fehlt weiter jede Spur. Drei Tage nach dem Kidnapping geriet am Donnerstag ihre Firma in Bennewitz bei Leipzig wegen der risikoreichen Entsendung der Ingenieure in die Kritik. Sportkameraden nahmen den entführten René Bräunlich gegen Unterstellungen in Schutz, er sei aus Geldgier in den Irak gereist.

Im Auswärtigen Amt trat erneut der Krisenstab zusammen. Die Bemühungen um die Freilassung würden intensiv fortgesetzt, hieß es. Die Fußballer des SV Grün-Weiß Miltitz in Leipzig erklärten im Internet: "Wir distanzieren uns von Meinungen von so genannten Experten, die Abenteuerlust oder Geldgier als Beweggründe für den Einsatz im Irak darstellen." Bräunlich, der bei der Mannschaft im Mittelfeld spielt, kenne man sehr gut und man wisse, dass "allein die Sicherung des Lebensunterhalts und die Erhaltung seines Arbeitsplatzes ihn veranlasst haben, eine solche risikovolle Aufgabe wahrzunehmen". Zugleich kündigten die Spieler an, in den nächsten Tagen ein Spendenkonto einzurichten. Damit solle gewährleistet werden, dass der Ingenieur und seine Familie Hilfe wie psychologische Betreuung oder Ähnliches erhielten.

"Schluss mit Irak-Reisen"

Der frühere Geheimdienstkoordinator und heutige CDU-Bundestagsabgeordnete Bernd Schmidbauer kritisierte die Firma Cryotec für die Entsendung der beiden Techniker scharf. "Hier kann auch das beste Geschäft nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mitarbeiter in eine riesige Gefahr geschickt wurden", sagte der Politiker in DW-TV. Das Auswärtige Amt habe nicht ohne Grund vor Reisen in diese Region gewarnt. "Wer frisch in dieses Gebiet geworfen wird und sich nicht entsprechend schützt, muss sich nicht wundern, wenn er sofort aufgegriffen wird."

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), sagte im SWR, mit der Entsendefirma werde nach geglückter Geiselbefreiung über eine Kostenerstattung zu reden sein. Die Reisewarnungen seines Ministeriums ließen keinerlei Zweifel über die Lage zu. Wer diese Warnungen nicht beachte, lade sich hohe Verantwortung auf. Erler verwarf in N24 Berichte, wonach die Entführten Opfer des harten Kerns des Widerstandes geworden seien, als Spekulation. Auch Schmidtbauer sprach von einem "primär kriminellen Hintergrund".

FDP-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Gerhardt forderte "Schluss mit Irak-Reisen". Er sagte in N24: "Es kann eben nicht sein, dass man aus wirtschaftlichem Interesse oder privatem Interesse das Land besucht, und dann die gesamte deutsche Öffentlichkeit in Atem gehalten wird, über Lösegeld verhandelt wird, ganze Krisenstäbe sich täglich abmühen und die Angehörigen sich sorgen."

Glos dankt Monteuren im Auslandseinsatz

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos appellierte im Bundestag an die Entführer, die Techniker freizulassen. Er dankte den Menschen, die als Monteure und Ingenieure ins Ausland gingen, um deutsche Anlagen zu montieren und installieren. Dies komme der deutschen Wirtschaft zu Gute und diene einer friedlichen Entwicklung.

Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt warnte vor einer überhitzten Debatte. Die Art und Weise der aufgeregten Diskussionen in einem Teil der Medien sei nicht hilfreich für das Bemühen, die beiden Leipziger möglichst schnell und unversehrt wieder nach Hause zu holen. Die deutsch-irakische Mittelstandsvereinigung Midan warnte die Wirtschaft davor, weitere Mitarbeiter in die Brennpunkte des Iraks zu entsenden. Präsident Geland Khulusi sagte der "Berliner Zeitung", sicher seien die Kurdengebiete im Norden.

56 Prozent der Bundesbürger glauben nach einer n-tv-Umfrage, dass alle Deutschen, die keine familiären Bindungen haben oder nicht in diplomatischen Diensten stehen, das Land verlassen sollten. 40 Prozent haben Verständnis für Journalisten, Geschäftsleuten sowie für Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen und Hilfsorganisationen, wenn sie im Irak bleiben.

AP/DPA