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Erpressung oder Faux-pas?: Lüsternes Video kostet Ministerin den Job

Halbnackt liegt sie auf dem Bett und haucht Liebesschwüre in die Kamera: Wegen einer intimen Videobotschaft wurde eine Ministerin aus Costa Rica entlassen. Sie selbst spricht von Erpressung.

Von Niels Kruse

Ich vermisse Dich. Ich liebe Dich von ganzem Herzen. Alles, was Du hier siehst, gehört Dir." Und es gibt einiges, was von Karina Bolanos in 56 Sekunden zu sehen ist: Nur mit Unterwäsche bekleidet, räkelt sie sich auf dem Bett und säuselt Liebesbotschaften in die Kamera. Eine einsame Frau macht einen intimen Liebesclip für ihren Liebhaber. Soweit, so romantisch. Ihr Problem: Karina Bolanos ist - pardon: war - Vizeministerin für Kultur und Jugend in Costa Rica. Die 39-Jährige wurde gerade entlassen. Der Grund: das Hauch-Video.

Auf den ersten Blick war ihre Demission logische Folge eines Politbetriebs: Tagelang geisterte der Film der lüsternen Ministerin durch soziale Medien, unter anderem auf Youtube oder Vimeo. Mehr als 500.000 Mal ist es bereits aufgerufen worden. Der Spott ließ nicht lange auf sich warten, weshalb sich ihr Vorgesetzter zum Handeln gezwungen sah. Der Kultusminister Manuel Obregon entließ sie und sagte zur Begründung: "Obwohl diese Botschaft rein privater Natur ist und nichts mit ihrer Regierungstätigkeit zu tun hat, wurde sie von ihrem Posten entbunden, damit sie die Angelegenheit regeln kann." So weit, so verständlich. Die Frage ist nur: Gibt es überhaupt etwas zu regeln? Und falls ja, mit wem?

Angeblich wurde sie mit dem Video erpresst

Denn die Ex-Ministerin hat CNN Espanol nun ihre Version der Geschichte erzählt. Und wenn sie stimmt, mutet die Entlassung zynisch an: "Es ist ein sehr altes und sehr persönliches Video. Ich entschuldige mich dafür, vor allem bei der costa-ricanischen Jugend, die ich repräsentiere." Ihren Angaben zufolge stammt das Video von 2007. Sie hatte es während einer Dienstreise aufgenommen, die sie von ihrem Ehemann, einem costa-ricanischen Abgeordneten trennte.

An die Öffentlichkeit soll das Filmchen durch einen Computerfachmann gelangt sein. Der habe Überwachungskameras am Haus der Familie installiert, dabei das Video entwendet und sie anschließend damit erpresst, so die Politikerin. "Es ist schwierig, das zu beweisen. Offenbar wollte er Kapital daraus schlagen, dass mein Mann Abgeordneter ist und ich Vize-Ministerin bin", so Bolanos im spanischsprachigen Kanal des Nachrichtensenders. Dass sie wegen dieses Clips entlassen wurde, empfindet sie als zutiefst ungerecht: "Es gibt nichts, wofür ich mich schämen müsste."

Die Präsidentin schweigt

Zudem beklagt sie, dass sie vor ihrer Entlassung nicht die Gelegenheit gehabt habe, sich gegenüber ihren Vorgesetzten zu erklären: "Ich denke, ich habe das Recht mich zu erklären, denn diese Dinge betreffen mein Intimleben und haben nichts mit meiner Arbeit zu tun."

Ob ihre Darstellung stimmt, oder ob es weitere Gründe für den rabiaten Umgang mit der geschassten Vize-Ministerin gibt oder gab, ist nicht klar. Costa Ricas Präsidentin Laura Chinchilla agiert schon seit einiger Zeit unglücklich: Ihre Regierung ist in der Bevölkerung unbeliebt, viele Landsleute werfen ihr die Zunahme von Korruption vor, zuletzt waren mehrere Regierungsmitglieder zurückgetreten. Zum Fall Bolanos schweigt das Staatsoberhaupt: "Ich werde dazu nichts sagen", sagte sie der Tageszeitung "La Nacion".

Anmerkung der Redaktion: Mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte von Karina Bolanos ist es stern.de nicht möglich, das Video zu zeigen oder darauf zu verlinken.