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Neue Checkliste: Mit diesen 48 Fragen will das FBI Terroristen überführen

Für Sicherheitsbehörden gehört es zum Tagesgeschäft, Terroristen aufzuspüren. Das FBI hat eine Checkliste entwickelt: Anhand von 48 Fragen werden Verdächtige in harmlos oder gefährlich eingestuft. Fachleute sind skeptisch.

FBI-Direktor James Comey

FBI-Direktor James Comey: In seine Amtszeit fällt die Einführung des 48 Fragen umfassenden "Terrortests"

Dem amerikanischen FBI bereiten derzeit zahllose Bombendrohungen Kopfzerbrechen. Jüdische Einrichtungen haben seit dem Amtsantritt von Donald Trump 69 Ankündigungen von Sprengstoffanschlägen gezählt, berichtet die Organisation JCC Association of North America. Sie alle seien telefonisch erfolgt, passiert sei bislang nichts. Nun steht die US-Bundespolizei vor der Aufgabe, herauszufinden, wer hinter den Drohungen steckt. Wie das FBI dabei genau dabei vorgeht, hat das US-Magazin "The Intercept" enthüllt.

48 Fragen des FBI, die Terroristen überführen sollen

Die beiden Autoren sind an interne, geheime Papiere gelangt, mit deren Hilfe die Beamten herausfinden sollen, ob jemand Anschläge plant. Die Handreichung besteht im Kern aus 48 Fragen, mit denen die Ermittler ein Profil von Verdächtigen erstellen können. Eingeführt wurde die Beurteilung mit dem Namen "Indikatoren von steigender Gewaltbereitschaft" im Herbst 2015, ihr Fokus liegt eindeutig auf islamistischen Tätern und weniger auf gewaltbereiten Extremisten allgemein, wie "The Intercept" kritisch anmerkt.

Die Auswertung der Fragen funktioniert nach einem nicht näher erläuterten Scoringverfahren. Den Antworten der Ermittler werden Punkte zugeteilt, maximal 100. Je nach Anzahl der Punkte wird die Verdächtigen in Gefahrenrubriken eingeteilt. Die reichen von harmlos über "zeigt Neigung zur Radikalisierung" bis zu "hohe Wahrscheinlichkeit, eine Gewalttat zu begehen". Das FBI weist allerdings mehrfach daraufhin, dass selbst hohe Punktzahlen nicht zwingend bedeuten müssen, dass die Personen tatsächlich zu Terroristen würden. Der errechnete Score sei eine "Entscheidungshilfe für ein weiteres Vorgehen gegen den Verdächtigen".

Geht das Subjekt verschlüsselt ins Internet?

Die Bandbreite an Fragen umfasst Aspekte, die einen möglichen Attentäter verraten könnten. Ganz am Anfang geht es um naheliegende Angaben, wie etwa um die Frage, ob die Person Zugang zu Waffen hat, für Kampf und Krieg ausgebildet wurde oder bereits versucht hat, an Material für Bomben zu gelangen. Verdächtig ist es nach Ansicht des FBI offenbar auch, wenn jemand verschlüsselt ins Internet geht oder versucht, seine Surfspuren zu verwischen. Unter Punkt 42 wird gefragt, ob der Verdächtige Teilnehmer an "militärartigen Aktivitäten, wie etwa Paint Ball, Schussanlagen oder Survivaltrainings" war oder ist.

Natürlich spielen für Ermittler auch der familiäre Hintergrund, Drogengewohnheiten, sowie traumatische Erlebnisse eine Rolle- zum Beispiel Missbrauch, Scheidung, Kränkungen oder der Verlust von Angehörigen. Auffallend häufig wird zudem nach der Religiosität des "Subjekts" gefragt. Sieben der insgesamt 48 Fragen drehen sich um den Glauben:

  • 4) Ist das Subjekt ein Konvertit? Wenn ja, wann? Vor weniger als zwölf Monaten, vor ein bis drei Jahren, länger als vor drei Jahren
  • 13) Hängt das Subjekt einem Glauben oder einer Ideologie an, die Gewalt unterstützt?
  • 15) Ist das Subjekt in seinem Glauben extremer geworden, vor allem in Bezug auf gewaltverherrlichender Ideologie?
  • 16) Rechtfertigt das Subjekt Gewalt mit religiösem Glauben?
  • 17) Hat das Subjekt den Wunsch nach einem gewalttätigen Dschihad oder dem Märtyrertod geäußert?
  • 29) Wurden Geistliche oder Vollzugsbehörden bereits auf das Subjekt aufmerksam gemacht, zum Beispiel durch Familienangehörige?
  • 37) Hat das Subjekt sein übliches Verhalten deutlich verändert? (Zum Beispiel: War es Trinker und ist nun abstinent? Hat es seinen Glauben praktiziert und nun nicht mehr, etc.?)

Experten sind skeptisch

Bei Fachleuten, die von "The Intercept" befragt wurden, kommt der "Terrortest" nur durchwachsen weg. So kritisieren einige Experten, dass viele der Fragen auf Vorurteilen über Islamisten beruhen würden. Der Terrorismusexperte Michael Jensen merkt an, dass eine Reihe der abgefragten Faktoren bei Millionen von Menschen vorkämen, die sich aber nie radikalisieren würden. Eine simple Checkliste zum Erkennen, wer wirklich einmal gewalttätig wird, reicht da nicht aus." Wadie Said, Professor an der Uni von South Carolina drückt es drastischer aus: "Die Idee, dass Radikalisierung auf Bit-Größe übertragen und unter pseudowissenschaftlichem Namen veröffentlicht werden kann, ist zutiefst problematisch."

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nik