Folteropfer der Roten-Khmer "Wir schluckten Insekten, die von der Decke fielen"


Es gibt Prozesse, da wird allein das Zuhören zur Tortur. Im Verfahren gegen den Chef-Folterer der Roten Khmer hat jetzt einer der wenigen Überlebenden des Todesgefängnisses Toul Sleng ausgesagt. Unter Tränen schilderte er die Qualen, denen er und seine Mitgefangenen ausgesetzt waren.

Im Prozess gegen den Chef-Henker des Rote-Khmer-Regimes in Kambodscha hat am Montag erstmals einer der wenigen Überlebenden des Foltergefängnisses Toul Sleng ausgesagt. Der heute 63-jährige Vann Nath entkam der Hinrichtung, weil er gute Porträts des Anführer der Roten-Khmer, Pol Pot, malen konnte. Er brach im Gerichtssaal in Tränen aus, als er die grausame Folter unter dem Angeklagten Kaing Guek Eav - alias Duch - beschrieb.

"Wir waren so hungrig, das wir die Insekten schluckten, die von der Decke fielen", sagte Vann Nath. Die Wachen hätten dann so lange auf ihn eingeschlagen, bis er das Tier wieder ausspuckte. "Die Erinnerungen an das, was dort passiert ist, suchen mich bis heute heim."

Vann Nath hat später auch Bilder über die Foltermethoden gemalt: Babys, die an Baumstämmen erschlagen werden, und Frauen, denen die Fingernägel herausgerissen werden. Die Bilder hängen in einem ehemaligen Schulgebäude, das heute als Völkermordmuseum dient. In dem Gefängnis kamen mehr als 12.000 Menschen ums Leben, Vann ist einer von lediglich einer Handvoll noch lebenden Opfern.

"Ich wusste, wenn ich das Porträt (von Pol Pot) attraktiv machte, konnte ich der Hinrichtung entgehen", sagte Vann Nath. Nach Angaben von Chefhenker Duch war die Einlieferung in das Gefängnis ein Todesurteil. Die Gefangenen wurden gefoltert, bis sie konterrevolutionäre Aktivitäten zugaben. Dann wurden sie vor den Toren Phnom Penhs hingerichtet - meist mit einem Schlag auf das Genick, um Gewehrkugeln zu sparen.

Duch war für das Gefängnis verantwortlich und ist nun wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Er hat seine Schuld bereits eingestanden und Reue gezeigt. Vier weitere frühere Führungsfiguren des Regimes sind angeklagt, bestreiten aber jede Verantwortung. Die Roten Khmer wollten eine Bauern-Utopie verwirklichen. In ihrem Wahn und Argwohn gegen Gebildete rotteten sie zwischen 1975 und 1979 mit Mord, Folter, Zwangsarbeit und Hungersnöten mehr als zwei Millionen Menschen aus.

"Was ich will ist etwas Unfassbares", sagte Vann Nath. "Ich möchte Gerechtigkeit für jene, die umgebracht wurden."

DPA/AP AP DPA

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