HOME

Fußfessel in Großbritannien: Schwerkriminelle machen keine Probleme

Elektronische Fußfesseln sind in Großbritannien ein echter Renner. Mehr als 22.000 Straftäter werden damit im Alltag überwacht. Die ersten Versuche mit den Geräten gab es bereits 1994.

Von Cornelia Fuchs, London

Die Beweise liegen in dem grauen, mannshohen Aktenschrank am hinteren Ende der Abteilung "Verstöße". Hier in seiner Zentrale in Norwich, Ost-England, sammelt der Sicherheitsdienstleister "Serco Monitoring" zerschnittene, angesengte und angekaute Fußfesseln.

"Mein Hund hat das Band zernagt – das ist die beliebteste Ausrede für die Zerstörung der Überwachungsgeräte", sagt Polly Wright, 24, die seit 2004 Außendienstmitarbeiterin bei Serco ist. Geglaubt hat sie einer solchen Erklärung bisher noch nie: "Meistens zerschneiden sie das Band und geben es anschließend ihrem Hund, das können wir später genau nachweisen."

Polly legt jeden Abend Verurteilten Fußfesseln an. Geschickt werden ihr die Aufträge vom Computersystem der Firma Serco in Norwich. Hier sammeln sich bis zu 200 Überwachungs-Urteile täglich, die von Richtern im ganzen Land an die Zentrale des Dienstleisters Serco geschickt werden.

Fußfessel innerhalb von 24 Stunden

Kommt ein neuer Auftrag herein, muss der Betroffene innerhalb von 24 Stunden besucht und mit der Fußfessel ausgestattet werden, so steht es im Vertrag, den Serco mit dem britischen Staat abgeschlossen hat. Der Angeklagte darf sich laut Gerichtsurteil bis zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vor die Tür bewegen, bis er die Fessel am Gelenk hat.

Polly weiß nie, was auf sie zukommt - sie hat schon Fußfesseln in Wohnwagen, Obdachlosenheimen oder bei den Eltern der Betroffenen angelegt: "Beschimpfungen sind dabei leider Teil meines Jobs." Pollys Schicht geht von sechs Uhr abends bis zwei Uhr nachts. Das ist die Zeit, in der die meisten Überwachten unter Arrest stehen.

Die Fußfessel sitzt fest am Gelenk, sobald Polly sie in die Sicherungen hat einschnappen lassen. Nur rohe Gewalt kann sie entfernen, das optische Kabel im Band meldet jede Manipulation. Die dazugehörige Basisstation ist so groß wie eine Playstation-Konsole. Wenn sich der Betroffene aus dem Haus entfernt, wird dies von der Basis-Station registriert, die per Radiofrequenz mit der Fessel am Gelenk verbunden ist.

Je nach Fall wird gehandelt

Bewegt sich jemand innerhalb der Arrestzeiten aus dem Haus, wird das von der Basis-Station sofort an die Zentrale gemeldet. Neuere Geräte können zusätzlich mit einer GPS-Ortung über Satellit den jeweils aktuellen Standpunkt des Überwachten an die Zentrale funken. In Großbritannien wurde das bisher nicht gemacht, in den meisten Fällen ist diese zusätzliche Überwachung nicht nötig. Ab 2012 jedoch wird es neue Verträge geben, dann soll auch die GPS-Ortung eingeführt werden.

In Norwich sitzen dutzende Sachbearbeiter an langen Tischreihen voller Monitore und erfassen die Meldungen der Fußfesseln. Gehandelt wird je nach Fall: Ist der Überwachte auf Kaution, alarmiert Serco schon nach 15 Minuten unerlaubter Abwesenheit die Polizei. Geht es um eine Bewährung, wird der Bewährungshelfer informiert, der über das weitere Vorgehen entscheidet.

Ist die Fußfessel als Strafe direkt vom Gericht verordnet worden und daher kein Bewährungshelfer involviert, verwaltet und überwacht Serco als Dienstleister den Fall allein. Beim ersten Verstoß gegen den Hausarrest wird ein Warnbrief verschickt. Werden jedoch Geräte manipuliert oder häufen sich die Abwesenheitszeiten auf mehr als zwei Stunden, bereitet Serco eine Anklage vor und bringt den Betroffenen vor Gericht.

Mitarbeiter werden als Zeugen gehört

Polly Wright war erst gerade wieder Zeugin der Anklage, zusammen mit drei Kollegen und einer zerschnittenen Fußfessel. Angesichts der Beweislage änderte der Betroffene seine Aussage lieber gleich in "schuldig" und wurde zu sieben Wochen Gefängnis verurteilt. Den Hausarrest hatte er für Diebstahl erhalten.

Serco ist momentan für etwa 9500 Fälle zuständig. Ein zweiter Dienstleister, G4S, bringt die Zahl der elektronisch Überwachten im Vereinigten Königreich auf ungefähr 22 000. Jeden Tag kommen Verurteilte hinzu oder werden Fußfesseln abgenommen. Die Einführung der elektronischen Überwachung in Großbritannien gilt als Erfolg. Serco zitiert in seinen Broschüren stolz die Zahlen der Regierungsbehörden, nach denen ein Tag mit Fußfessel 15 Pfund kostet, ein Tag im Gefängnis jedoch fast 85 Pfund. Neun von zehn Hausarresten werden erfolgreich und ohne Probleme zu Ende geführt.

Gerade erst hat Serco auch die Polizei-Sondereinheit "Organisiertes Verbrechen" auf seine Seite gebracht. Die waren bisher skeptisch, ob das unscheinbare graue Gerät am Fußgelenk harte Kriminelle im Zaum halten kann. Nach einer Versuchsreihe wollen sie es so schnell wie möglich einführen, sagt Andy Homer, stellvertretender Direktor der Abteilung "Operations Support" bei Serco: "Die Fußfessel ist keine sanfte Alternative zu Gefängnis." Je nach Vorgaben kann sie ein Leben komplett umkrempeln.

Homer hat bereits die ersten Feldversuche der elektronischen Überwachung in den 80er Jahren in London durchgeführt. Der ehemalige Gefängnis-Beamte hat gesehen, wie die Fußfessel von der exotischen Sonderbestrafung zum wichtigen Strafinstrument wurde.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Großbritannien die Fußfessel bei Jugendlichen einsetzt

Eltern bitten um Fußfessel

Großbritannien nutzt die Fußfessel bei Kleinkriminellen und Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren, die immer wieder bei der Polizei auffallen. Hier soll der elektronisch gesteuerte Hausarrest den Verurteilten helfen, den Tag zu strukturieren und schlechte Einflüsse fernzuhalten – für höchstens sechs Monate, länger darf Hausarrest nicht verhängt werden. "Es gibt nicht wenige Eltern, die uns bitten, die Frist zu verlängern", sagt Homer. Und er erinnert sich an eine junge Frau. die ihre Fußfessel als Entschuldigung nutzte, sich die Drogendealer des Viertels vom Hals zu halten. Ohne Gerät am Gelenk, so fürchtete die ganze Familie, würde sie wieder zurück in den Drogensumpf gezogen, erzählt Homer: "Wir haben die Fessel tatsächlich länger drangelassen. Das war natürlich eine Ausnahme."

Die Fußfessel wird in Großbritannien auch zur Überwachung von Wiederholungstätern, Terrorismus-Verdächtigen und Sexualstraftätern genutzt. Die Auflagen werden von den Richtern jedem Fall individuell angepasst – der Hausarrest kann fast den ganzen Tag, bestimmte Tage der Woche oder nur für das Wochenende gelten. Es gibt die Möglichkeit, die Ausgangssperre mit einem Stimmen-Erkennungsdienst zu kombinieren. In diesem Fall muss der Betroffene zu bestimmten Zeiten ein Computerprogramm anrufen und mehrere Fragen beantworten. Dabei wird seine Stimme mit einer Aufnahme abgeglichen, um sicherzustellen, dass sich die gewünschte Person von einem bestimmten Telefonanschluss meldet.

Jugendliche testen die Grenzen aus

Die Gruppe der Schwerkriminellen gilt bei Serco als relativ pflegeleicht. Die Überwachten sind sich bewusst, dass ihnen die Fußfessel eine letzte Möglichkeit bietet, eine Gefängnisstrafe zu vermeiden. Sie halten sich zumeist an die Auflagen. Anders sieht das bei Jugendlichen aus, die oftmals in eine Art Wettkampf mit der Fußfessel treten. Da wird Schritt für Schritt ausprobiert, wie weit man sich vom Haus entfernen kann, ohne den Alarm auszulösen.

Polly erinnert sich, dass sie im Falle eines jungen Autodiebs fast jeden Tag in seinem Haus vorbeischauen musste. Wenn in der Zentrale eine Meldung über eine Störung aufläuft und der Überwachungsanruf daraufhin nicht beantwortet wird, werden Außendienstmitarbeiter losgeschickt. Sie sollen nachschauen, was genau vor Ort passiert ist. Polly sagt, der Junge versuchte das Plastikband der Fußfessel immer wieder mit kochendem Wasser, mit dem Feuerzeug oder einem Haartrockner zu schmelzen: "Der hatte schon richtige Löcher im Bein!" Nichts konnte ihn von seiner Zerstörungs-Wut abbringen: "Da hilft dann auch die Fußfessel nichts mehr!"

P.S.: Die Koalition hat beschlossen, die Fußfessel als Strafmaßnahme auch in Deutschland einzuführen. Was halten Sie davon? Diskutieren Sie mit uns auf Facebook!

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(