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G-8-GIPFEL: Genua - Eine Stadt im Belagerungszustand

Gipfelwahnsinn in Genua. Rund 20000 Sicherheitskräfte und eine zur Festung ausgebaute Stadt erwarten heute die mächtigsten Staatsmänner der Erde zum Weltwirtschaftsgipfel. Tatsächlich scheint nicht das G-8-Treffen das Ereignis zu sein, sondern der Protest dagegen.

In Genua beginnt heute der G-8-Gipfel der führenden sieben Industrienationen sowie Russlands. Schon zu Anfang wird das dreitägige Treffen der acht Staats- und Regierungschefs in der italienischen Hafenstadt von Gewaltandrohungen überschattet. Radikale Gruppen kündigten an, fünf Meter hohe Gitter zu stürmen, die die Polizei zum Schutz errichtet hatte.

Eine erste Demonstration von etwa 20 000 Einwanderern am Donnerstag war insgesamt noch glimpflich verlaufen. Die Behörden erwarten 100 000 meist friedliche Demonstranten, die gegen die Armut in der Dritten Welt und Politik der Industrieländer protestieren. Hauptthemen des Gipfels sind die wirtschaftlichen Perspektiven sowie internationale Finanzfragen, die geplante Raketenabwehr der USA, ein neuer Anstoß für den Friedensprozess im Nahen Osten und der Klimaschutz.

Am heutigen Freitag fürchten Sicherheitskräfte erste Zusammenstöße mit Demonstranten. Militante Globalisierungs-Gegner drohten mit einem Sturm auf die abgesperrte Zone. Militante Globalisierungs-Gegner drohen mit dem Einsatz chemischer und biologischer Waffen aus der Luft. Aus Furcht vor der Gewalt ähnlich wie beim jüngsten EU-Gipfel in Göteborg haben viele

Einwohner Genuas ihre Stadt verlassen. Die meisten Geschäfte, Restaurants und Büros im Zentrum sind geschlossen, die Schaufenster verbarrikadiert. »Genua ist eine belagerte Stadt«, schrieben italienische Zeitungen.

Zur Ankunft der Staatsgäste haben italienische Militärs am Flughafen Genua Luftabwehrraketen aufgestellt. Als erste trafen der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi und sein japanischer Kollegen Junichiro Koizumi ein.

Die Schweiz ließ am Donnerstag nach langen Kontrollen an der Grenze bei Basel rund 400 deutsche Globalisierungsgegner einreisen. Sechs Personen wurde von den deutschen Grenzbeamten die Ausreise verweigert. Sie waren als gewalttätige Demonstrationen bekannt.

G-8-Teilnehmerstaaten sind die USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan sowie Russland. Am Freitag, wenn über die Armut in der Dritten Welt gesprochen wird, stoßen die Präsidenten aus sechs Entwicklungsländern dazu. Die politischen Führer aus Nigeria, Südafrika, Algerien, Mali, El Salvador und Bangladesch werden von UN-Generalsekretär Kofi Annan begleitet. Unter anderem will der Gipfel einen Gesundheitsfonds zum Kampf gegen Aids, Malaria und Tuberkulose beschließen. Es geht auch um Schuldenerlass.

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