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Gaza-Streifen: Israel erklärt Truppenabzug für beendet

Israels Armee hat eine wichtige Voraussetzung für ein endgültiges Ende der Kämpfe im Gaza-Streifen erfüllt. Nach eigener Darstellung hat sie den Abzug aus dem Palästinensergebiet nun abgeschlossen. Zudem wurden Grenzübergänge nach Gaza eingeschränkt geöffnet. Der Waffenstillstand bleibt dennoch brüchig.

Drei Tage nach Beginn einer Waffenruhe hat die israelische Armee ihre Truppen vollständig aus dem Gaza-Streifen abgezogen. Eine israelische Armeesprecherin sagte am Mittwoch, die letzten Soldaten hätten das Palästinensergebiet am Mittelmeer am frühen Morgen verlassen. Israelische Medien berichteten, die Truppen sollten noch am Rande des Gaza-Streifens in erhöhter Alarmbereitschaft verbleiben. Drei Grenzübergänge wurden für die Einfuhr humanitärer Hilfsgüter, Kochgas und Treibstoff geöffnet.

Der stellvertretende palästinensische Wirtschaftsminister Nasser al-Sarradsch sagte, Israel habe die Palästinensische Autonomiebehörde über diese Entscheidung informiert. Mehr als 110 Lastwagen mit Lebensmitteln sollten durch den Kerem-Schalom-Übergang im Südosten des Gazastreifen in das Palästinensergebiet einfahren. 60 weitere Lastwagen mit Futtermitteln und Getreide sollten den Karni-Übergang östlich der Stadt Gaza passieren. Die Öffnung der Grenzübergänge gelten nur eingeschränkt für Waren.

Nochmals schlagen Granaten ein

Der Waffenstillstand bleibt unterdessen brüchig. Am Dienstag hatten militante Palästinenser nach Armeeangaben noch zwölf Mörsergranaten auf Israel abgefeuert, nach palästinensischen Angaben erschossen israelische Truppen einen Landwirt im nördlichen Gaza-Streifen. Die Waffenruhe, die beide Seiten einseitig erklärten, war am Sonntag in Kraft getreten.

Die israelische Armee hatte am 27. Dezember die Offensive "Gegossenes Blei" begonnen, um den ständigen Raketenbeschuss israelischer Städte vom Gaza-Streifen aus zu unterbinden. Bei dem Militäreinsatz wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza mindestens 1415 Palästinenser getötet und mehr als 5500 verletzt. Auf der israelischen Seite kamen zehn Soldaten und drei Zivilisten bei Raketenangriffen und Kämpfen ums Leben.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich am Dienstag "entsetzt" über das Ausmaß der Zerstörung im Gaza-Streifen. Bei einem Besuch in der israelischen Grenzstadt Sderot verurteilte er anschließend auch die palästinensischen Raketenangriffe auf Israel.

Angeblicher Phosphor-Einsatz wird untersucht

Unterdessen haben die israelischen Streitkräfte nach eigenen Angaben interne Ermittlungen zu Vorwürfen über den Einsatz von weißem Phosphor eingeleitet. Israel reagiert damit auf internationale Vorwürfe. Die Chemikalie wird zum Erhellen von Zielen oder zur Bildung von Rauch als Sichtschutz verwendet. Internationales Recht verbietet den Einsatz von Phosphor im Krieg nicht, er kann aber schwere Verbrennungen hervorrufen. UN-Vertreter und Menschenrechtsorganisationen haben Israel vorgeworfen, Phosphor in der Gazaoffensive eingesetzt zu haben. Nach Ansicht von Amnesty International stellt das Abfeuern von Phosphorgranaten seitens Israels in dicht besiedelten Wohngebieten von Gaza ein Kriegsverbrechen dar. Israel hat öffentlich nicht bestätigt, weißen Phosphor eingesetzt zu haben.

AP/DPA / AP / DPA