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Geiseldrama in Gasanlage: Algerien rechtfertigt tödlichen Militäreinsatz

Algeriens Armee hat die Erstürmung der Gasanlage verteidigt. Bei der Befreiungsaktion wurden mehrere Geiseln getötet. Noch immer verschanzen sich Islamisten mit Gefangenen auf dem Gasfeld.

Die algerische Armee hat ihren umstrittenen Militäreinsatz zur Befreiung von Geiseln in der Gasanlage von In Aménas verteidigt. "Der Einsatz sei eine Antwort auf eine Entscheidung der Terroristen gewesen, alle Geiseln zu töten und ein wahres Massaker anzurichten", zitierte die Tageszeitung "El-Khabar" einen namentlich nicht genannten Armeesprecher. Bei dem Militäreinsatz wurden nach Regierungsangaben zwölf Geiseln getötet. 32 Menschen befinden sich nach Informationen des Blattes weiter in der Gewalt der Kidnapper, darunter sieben Ausländer. Spezialkräfte der Armee versuchen, mit einer friedlichen Lösung die Geiselkrise zu beenden. Zuvor hatte die algerische Führung versichert, sie werde nicht mit den Militanten verhandeln.

Unterdessen meldete der Energiekonzern Statoil, dass zwei der acht norwegischen Geiseln befreit und in Sicherheit sind. Statoil ist Mitbetreiber des von Terroristen eroberten Gasfeldes. Von den ursprünglich 13 Norwegern in der Gewalt der Angreifer sind sieben unter nicht bekannten Umständen freigekommen. Das Schicksal der sechs anderen ist unklar. Norwegens Regierung äußerte sich positiv zu den Aussichten auf ein baldigen Ende des Geiseldramas. Außenminister Espen Barth Eide sagte am Samstagmorgen in Oslo: "Es gibt Hoffnung, dass die Aktion sich dort ihrem Abschluss nähert."

Islamisten verlangen Stopp des Mali-Einsatzes

In der Gewalt der Islamisten befinden sich noch drei Belgier, zwei US-Bürger, ein Japaner und ein Brite, meldete die mauretanische Nachrichtenagentur ANI am Freitagabend unter Berufung auf das Umfeld des Kommandos. Die al Kaida nahestehende Gruppe "Die mit Blut unterzeichnen" hält die Geiseln demnach in der Anlage fest, von der sie einen Teil beim Angriff der algerischen Armee weggesprengt habe.

Soldaten einer Elitetruppe versuchen laut der algerischen Nachrichtenagentur APS, die Islamisten zum Aufgeben zu bewegen. Kommunikationsminister Mohand Said Oublaid erklärte aber, Algerien werde sich niemals erpressen lassen. "Wer glaubt, wir würden mit Terroristen verhandeln, täuscht sich."

Die mit Raketen und Granatwerfern bewaffneten Kämpfer verlangen unter anderem das Ende des von Frankreich angeführten internationalen Militäreinsatzes in Mali. Sie kündigten weitere Anschläge auf ausländische Einrichtungen an. Wie die mauretanische Nachrichtenagentur ANI unter Berufung auf eine informierte Quelle am späten Freitagabend berichtete, handelt es sich bei den Geiselnehmern um etwa 40 Salafisten, die aus dem Niger nach Algerien eingesickert seien.

Paris bestätigt Tod eines Franzosen

Nach Angaben des französischen Außenministers Laurent Fabius ist unter den Toten auch ein Franzose. Auch 18 Geiselnehmer seien seither gestorben, meldete APS. Etwa 650 Geiseln sollen befreit worden sein, darunter mehr als 100 Ausländer. Viele Menschen werden aber noch vermisst.

US-Außenministerin Hillary Clinton telefonierte am Freitag erneut mit dem algerischen Regierungschef Abdelmalek Sella, um sich über den Fortgang der algerischen Operation auf dem Gasfeld auf dem Laufenden zu halten. Verteidigungsminister Leon Panetta drohte den Geiselnehmern Konsequenzen an. "Die Terroristen sollten wissen, dass es für sie kein Versteck, keinen Fluchtpunkt gibt."

Die algerische Armee hatte am Donnerstag in der Gasanlage nahe der libyschen Grenze eine Befreiungsaktion gestartet, nachdem islamistische Kämpfer dort am Mittwoch hunderte Geiseln genommen hatten. Die Belagerung der Gasförderanlage rund 1300 Kilometer südöstlich von Algier dauerte am Freitag an.

mad/mlr/AFP/DPA / DPA