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Großbritannien: Queen ernennt Brown zum Premier

"Ich wünsche allen - ob Freund oder Feind - Lebewohl" - mit diesen Worten hat sich Tony Blair aus dem Unterhaus verabschiedet. Zum neuen britischen Premierminister hat die Queen nun Gordon Brown ernannt - zum Antritt gab es noch ein unerwartetes Geschenk.

Gordon Brown ist am Mittwoch von Königin Elizabeth II. zum neuen britischen Premierminister ernannt worden. Der bisherige Schatzkanzler kam lächelnd aus dem Buckingham-Palast, wo ihn die Queen in einem Gespräch mit der Regierungsbildung beauftragt hatte. Kurz zuvor hatte Tony Blair nach zehn Jahren im Amt seinen Rücktritt eingereicht.

Blair sprach etwa 25 Minuten mit Königin Elizabeth II. Anschließend fuhr er in seinen nordenglischen Wahlkreis. Es wurde erwartet, dass er dort den Verzicht auf sein Unterhausmandat erklärt, um eine neue Aufgabe als internationaler Nahost-Beauftragter anzutreten. Brown verabschiedete sich am Vormittag von den Mitarbeitern des Finanzministeriums und fuhr mit seiner Frau Sarah zum Buckingham-Palast, um die Ernennung zum Premierminister entgegenzunehmen.

"Und das ist es dann. Das Ende"

Nach dem Ende der Ära Blair will Brown das durch den Irak-Krieg beschädigte Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung wiederherstellen. Der 56-jährige Schotte steht außerdem vor der Herausforderung, die Position der Labour-Partei gegen die wieder erstarkten Konservativen zu behaupten. Ein unerwartetes Antrittsgeschenk für Brown war am Mittwoch der Wechsel eines konservativen Abgeordneten zur Labour Party. Frühestens im Sommer 2008 ist die Wahl eines neuen Unterhauses zu erwarten, den Termin bestimmt der Premierminister.

Im Unterhaus nahm Blair am Vormittag sichtlich bewegt Abschied von den Abgeordneten. Im Rahmen der wöchentlichen Fragestunde sagte er, dass es ihm Leid tue, welch großen Gefahren britische Soldaten im Irak und in Afghanistan ausgesetzt seien. "Ich wünsche allen - ob Freund oder Feind - Lebewohl", sagte Blair zum Schluss. "Und das ist es dann. Das Ende."

Die Abgeordneten erhoben sich und spendeten dem scheidenden Premier kräftigen Applaus. Einige, unter ihnen auch Außenministerin Margaret Beckett, kämpften mit den Tränen. Der Parteichef der Konservativen, David Cameron, würdigte die Leistungen Blairs und nannte dabei den Friedensprozess in Nordirland sowie die Entwicklungspolitik. Er wünsche Blair bei seinen bevorstehenden Aufgaben alles Gute.

Berufung zum Nahost-Beauftragten

Anschließend fuhr Blair zum letzten Mal zum Amtssitz des Premierministers in Downing Street 10, wo seine persönliche Habe in Umzugswagen gepackt wurde. Blair hat nach Angaben des irischen Regierungschefs Bertie Ahern bereits eine Berufung zum neuen internationalen Nahost-Beauftragten angenommen. Er habe mit Blair telefoniert, "und dies ist genau das, was er tun wird", sagte Ahern am Mittwoch in Dublin. Eine offizielle Ernennung Blairs durch das Nahost-Quartett aus EU, UN, den USA und Russland stand aber zunächst noch aus.

AP / AP
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