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Abhörskandal bei News Corp: Unterhaus will sich Murdoch vorknöpfen

Im Skandal um die Zeitungen von Rupert Murdoch kommen immer mehr schmutzige Details ans Licht. Nun soll sich der Medienunternehmer den Fragen des britischen Parlaments stellen.

Medienmogul Rupert Murdoch steht womöglich ein unangehmer Termin bevor: Laut Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg ist er aufgefordert worden, vor dem britischen Parlament zu erscheinen um Fragen nach dem Methoden zu beantworten, mit denen sein Medienimperium News Corporation an Geschichten gekommen ist. Auch Murdoch-Sohn James, stellvertretender Geschäftsführer des Konzerns, und die Leiterin von Murdochs Zeitungssparte News International, Rebekah Brooks, soll am kommenden Dienstag vor dem Ausschuss für Kultur und Medien des Unterhauses erscheinen. Die Teilnahme ist freiwillig. News Corp kündigte jedoch an, zu kooperieren.

Die Vorladung folgt der Anklage, dass Mitarbeiter des Konzerns das Telefon des ermordeten Schulmädchens Milly Dowler und von Terroropfern der Bombenanschläge 2005 abgehört hätten. Sie sollen auch die Gespräche von Verwandten getöteter britischer Soldaten abgehört haben. Zudem sollen Redakteure Polizisten bestochen haben. Das veranlasste Murdoch, die 168 Jahre alte Zeitung

"News of the World" einzustellen.

Die britische Regierung fordert Murdoch wegen des Abhör-Skandals nun zur Aufgabe seiner milliardenschweren Expansionspläne auf. Sowohl Premierminister David Cameron als auch die Regierung werde einen Parlamentsantrag der Opposition unterstützen, in dem Murdochs Medien-Konzern News Corp dazu gedrängt wird, von dem Kauf des Bezahlsenders BSkyB Abstand zu nehmen, erklärte ein Regierungssprecher am Dienstag.

"Ich bin wirklich geschockt"

Die Abstimmung am Mittwoch ist zwar nicht bindend, erhöht jedoch den politischen Druck auf Murdoch erheblich. BSkyB-Aktien reagierten deshalb mit Kursverlusten auf die Erklärung der Regierung - sie büßten 3,3 Prozent ihres Wertes ein.

Daneben könnte auf News Corp eine Klagewelle zurollen. Ein ehemaliger Kriminalbeamter von Scotland Yard plant nach Angaben seines Anwalts gerichtliche Schritte gegen die Verleger von News of the World. Die Klage gegen die Zeitungsgruppe wäre die erste gegen die ehemals bestverkaufte Wochenzeitung Großbritanniens aufgrund der elektronischen Überwachung und Verfolgung eines Polizeibeamten durch Journalisten, sagte der Anwalt.

Derweil zieht die Spitzel-Affäre um die Murdoch-Zeitungen immer weitere Kreise. Am Dienstag äußerte sich das bislang prominenteste Opfer, der ehemalige Premierminister Gordon Brown, "geschockt" über Machenschaften der Blätter. Reporter hatten sich dem "Guardian" zufolge mit Hilfe von Kriminellen Zugang zu seinen Steuerpapieren, Kontoauszügen sowie zu den Krankenakten seiner Familie verschafft. Das sei "abstoßendste Arbeit" von Journalisten der Murdoch-Publikationen gewesen, sagte Brown in einem Interview mit der "BBC". "Ich bin wirklich geschockt, dass das alles passiert ist." Wenn es schon so einfach gewesen sei, einen gut geschützten Regierungschef auszuspionieren - wie schnell müsse das erst bei einem einfachen Bürger gehen, fragte er.

Zehn Jahre im Visier des Konzerns

Die Journalisten müssten etwa erklären, wie sie an sensible Krankendaten gekommen seien, sagte Brown. Das Murdoch-Blatt "Sun" hatte beispielsweise über die unheilbare Erbkrankheit seines Sohnes berichtet. News International betonte, dass die Informationen rechtmäßig beschafft worden seien. Brown nimmt das dem Konzern nicht ab. Er könne sich keinen Weg vorstellen, wie der Gesundheitszustand eines Kindes ohne die Zustimmung der Eltern oder des Arztes auf legalem Wege öffentlich bekanntwerden könne.

Die Vorwürfe gegen die Murdoch-Blätter reichen noch weiter. Nach Informationen des Guardian hat sich der Rechercheur eines anderen Murdoch-Blattes gegenüber einer Bank als Gordon Brown ausgegeben und sich so die Kontostände des Politikers verschafft. Zudem seien Steuerunterlagen aus unerfindlichen Gründen kurzzeitig verloren gegangen. "Ich weiß, dass es in zwei Fällen sichere Beweise gibt, dass News International dafür Leute angeheuert hat, und diese Leute sind bekannte Kriminelle", sagte Brown. Dem "Guardian" zufolge war er zehn Jahre lang im Visier des Konzerns. Der Schotte Brown hatte die britische Regierung drei Jahre bis 2010 geleitet. Davor war er jahrelang Finanzminister.

fro/AFP / AFP