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Jüngste Abgeordnete seit 1667: 20-jährige Schottin greift das Westminister-Establishment an

Eine 20-Jährige zieht als jüngste Abgeordnete seit Jahrhunderten ins britische Parlament ein. Mhairi Blacks Wahlsieg ist symptomatisch für den Triumphzug der Schottischen Nationalpartei.

Politische Erfahrungen sammelte Black 2003 als Neunjährige auf einer Anti-Irak-Kriegsdemo - auch wenn sie damals nur einen Lolli geschenkt bekam

Politische Erfahrungen sammelte Black 2003 als Neunjährige auf einer Anti-Irak-Kriegsdemo - auch wenn sie damals nur einen Lolli geschenkt bekam

Sie ist erst 20 Jahre alt, bezeichnet sich selbst als "Politik-Nerd" und sie hasst Tony Blair. Mhairi Black ist bei der Wahl in Großbritannien zum jüngsten Mitglied des Unterhauses seit 1667 gewählt worden. Ihr Wahlergebnis für die Schottische Nationalpartei (SNP) sorgte im Wahlkreis Paisley und Renfrewshire South für eine kleine Sensation: Die Politikstudentin setzte sich nicht gegen irgendwen durch - mit 51 Prozent der Stimmen nahm sie dem Labour-Spitzenpolitiker und Wahlkampfmanager Douglas Alexander das Direktmandat ab. Bei der Wahl 2010 hatte der 47-Jährige noch 60 Prozent der Stimmen geholt. Jetzt waren es nur rnoch magere 18 Prozent.

Black schießt scharf gegen das "Westminster-Establishment"

"Ich verspreche, diese Stimme nicht nur für Verbesserungen in Schottland, sondern auch für fortschrittliche Politik zum Wohle der Menschen in ganz Großbritannien zu nutzen", sagte Black nach Bekanntgabe ihres Sieges vor jubelnden Anhängern. Durch ihre Wahl werde ihrem Wahlkreis und "ganz Schottland" in Westminster mehr Gehör verschafft. Die Sparpolitik der Regierung, die die Menschen im ganzen Land treffe, müsse beendet werden.

Ihren politischen Erfolg führte Black auf Folgendes zurück: "Ich denke, die Leute haben wirklich erkannt, dass dieses Westminster-Establishment ihnen nicht gedient hat."

Politisch engagiert war Mihairi Black bereits in jungen Jahren. Ihre früheste politische Erinnerung sei die Teilnahme an einer Anti-Irakkriegs-Demo im Jahr 2003, sagte Black im Wahlkampf. Damals war die Politikstudentin gerade einmal neun Jahre alt - auf der Kundgebung bekam sie einen Lolli geschenkt.

"Die anderen Politiker sollten nervös werden"

Auf ihrem Twitter-Account nimmt die 20-Jährige, die als leidenschaftlicher Fußballfan gilt, kein Blatt vor den Mund: Den schottischen Fußballverein Celtic Glasgow bezeichnete sie als "Abschaum", einmal schrieb sie: "Ich hasse Celtic." Auch den Labour-Politiker Ed Miliband hatte Black in Tweets beschimpft. Für ihre Ausdrucksweise war Black im Wahlkampf mehrfach kritisiert worden. Doch die Nachwuchspolitikerin reagierte selbstbewusst: "Während eines Fußballspiels kann es schon mal etwas hitzig werden. Tony Blair hat einen Krieg angefangen. Wir sollten das mal ins Verhältnis setzen."

Auf die Frage, ob die Kandidatur sie nervös mache, sagte Black in einem "Buzzfeed"-Interview im April: "Nein - wenn ich Parlamentsmitglied werde, sollten die anderen Politiker nervös werden. Sie müssen sich für ihre Taten in der Vergangenheit verantworten."

Furcht vor neuem Unabhängigkeitsreferendum

Blacks Sieg ist symptomatisch für den Siegeszug der Schottischen Nationalpartei (SNP) und den Niedergang von Labour in Schottland bei diesem Urnengang. Die SNP, die nur in Schottland angetreten war, gewann dort laut Nachwahlbefragungen 58 der 59 zu vergebenen Sitze. Bislang hatte sie nur sechs Abgeordnete im britischen Unterhaus gestellt. Ein derart starkes SNP-Ergebnis schürt in anderen Teilen Großbritanniens die Befürchtung, dass es in Schottland schon bald einen neuen Anlauf für ein Unabhängigkeitsreferendum geben könnte.

Auf die Frage von Journalisten, was sie nach der Parlamentswahl tun werde, antwortete Black lapidar: "Schlafen." Und danach? "Frühstück." Ende des Monats wird Black erst einmal ihre Abschlussarbeit abgeben müssen, um ihr Politik-Studium zu beenden. Das Thema sollte ihr nicht allzu schwer fallen: Black analysiert die Strukturen der Schottischen Nationalpartei.

las mit AFP und DPA