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Gründung von Telangana Heftige Proteste gegen neuen indischen Bundesstaat


Die einen haben die Gründung von Telangana herbeigesehnt, andere reagierten mit Gewalt. Der Südosten Indiens erlebt seit Tagen massive Proteste. Kraftwerke wurden lahmgelegt, Züge fuhren nicht.

Am 3. Oktober hat das Kabinett in Neu Delhi beschlossen, Telangana zu schaffen - als 29. Bundesstaat auf dem Subkontinent Indien. Telangana soll vom bereits bestehenden Staat Andhra Pradesh abgespalten werden. Das hatten die Bewohner der besonders armen Region seit Jahrzehnten verlangt, weil sie sich von der Landesregierung benachteiligt sehen. Die Meinungen in der Bevölkerung über diese Entscheidung gehen weit auseinander.

Seitdem gibt es im Südosten Indiens heftige Proteste gegen die Schaffung des neuen Bundesstaates. Am Wochenende herrschten teilweise chaotische Zustände, besonders in Regionen, die auch zukünftig zu Andhra Pradesh gehören werden. Wegen gewalttätiger Aufstände wurde in der Stadt Vizianagaram eine Ausgangssperre verhängt. "Weil es bei den Protesten zu Brandstiftung kam, eine Bank angezündet, privates und öffentliches Eigentum zerstört wurde (...), haben die Behörden vergangene Nacht eine Ausgangssperre verhängt", zitierte der Sender NDTV einen Polizeisprecher am Sonntag. Mittlerweile wurden 34 mutmaßliche Gewalttäter festgenommen, berichtet die Times of India.

Weiter südlich, in der Stadt Vijawada, streikten Mitarbeiter von Elektrizitätswerken gegen die Abspaltung, wie die Nachrichtenagentur IANS am Sonntag berichtete. In sechs Bezirken kam es daraufhin zu Stromausfällen, auch Züge blieben stehen.

Hungerstreik und Rücktritte

In Hyderabad, mit 6,8 Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt Indiens und die derzeitige Hauptstadt von Andhra Pradesh, trat ein Kommunalpolitiker aus Protest gegen die Abspaltung in den Hungerstreik. Eine Menschenmenge versammelte sich, um Jagan Mohan Reddy dabei zu unterstützen. Ein weiterer Politiker hatte angekündigt am Montag dem Hungerstreik beizutreten.

Drei Minister der indischen Regierung waren im Streit um die Gründung des neuen Bundesstaates zurückgetreten.

Andhra Pradesh ist einer der größten und am stärksten besiedelten Bundesstaaten Indiens. Nach der Teilung soll Hyderabad für zehn Jahre sowohl die Hauptstadt von Andhra Pradesh als auch von Telangana sein. Der neue Bundesstaat hat mehr als 35 Millionen Einwohner und ist etwa drei Mal kleiner als Deutschland. Einen für die Industrie wichtigen Zugang zur Küste hat Telangana nicht. Die endgültige Teilung beider Staaten soll in vier bis fünf Monaten abgeschlossen sein.

ono/DPA DPA

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