Guinea-Bissau Militär übernimmt die Macht


Blutiger Machtwechsel in Guinea-Bissau: Nach der Ermordung von Präsident Joao Bernardo Vieira haben die Streitkräfte die Führung in der ehemaligen portugiesischen Kolonie übernommen. Die Armee distanzierte sich von dem Racheakt und versprach, die demokratischen Institutionen zu respektieren.

Nach dem gewaltsamen Tod des Präsidenten und des Generalstabschefs von Guinea-Bissau hat das Militär in dem westafrikanischen Land die Macht übernommen. Die Lage sei unter Kontrolle, erklärten die Streitkräfte am Montag. Zugleich distanzierte sich die Militärführung von dem Mordanschlag auf den Präsidenten. Vieira sei am Montag von "einer Gruppe noch nicht identifizierter Bürger" getötet worden, heißt es in einem Kommuniqué des Generalstabs in Bissau, das die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa veröffentlichte.

In der von Militärsprecher Zamura Induta unterzeichneten Erklärung wird "die Verpflichtung (der Streitkräfte) zum Gehorsam gegenüber der politischen Macht und den Institutionen der Republik"unterstrichen. Das Militär werde in der "verfassungsmäßigen Mission unnachgiebig sein", heißt es. Die Situation in Bissau sei "unter Kontrolle". Die Bevölkerung wurde dazu aufgerufen, vorerst nicht auf die Straßen zu gehen und "Ruhe und Ordnung zu wahren".

Präsident Joao Bernardo "Nino" Vieira war bei einem Angriff des Militärs auf seine Residenz erschossen worden. Dabei handelte es sich offenbar um einen Racheakt für den Tod des mit ihm verfeindeten Generalstabschefs Batista Tagme Na Wai, der wenige Stunden zuvor bei einem Anschlag ums Leben kam.

Ehefrau flüchtet in angolanische Botschaft

Sicherheitskreise sowie ein Vertreter der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas bestätigten Vieiras Tod. Unklar sind jedoch noch die genauen Umstände. Ein enger Vertrauter des Staatsoberhauptes berichtete, der Präsident habe sich geweigert, das Anwesen zu verlassen und sich von angolanischen Diplomaten in Sicherheit bringen zu lassen. Ein Ecowas-Vertreter sagte dagegen, Soldaten hätten Vieira getötet, als dieser versucht habe, seine Residenz zu verlassen. Entgegen ersten Meldungen überlebte Vieiras Ehefrau den Angriff. Sie habe Zuflucht in der Botschaft Angolas gefunden, berichteten Medien in Portugal.

General Na Wai war am Sonntagabend bei einem Angriff auf das Armee-Hauptquartier ums Leben gekommen, das dabei teilweise zerstört wurde. Noch in der Nacht stürmten daraufhin einem Beamten der Vollzugspolizei zufolge Na Wai loyale Soldaten einen Zellentrakt und befreiten sechs Gefangene, die eines Anschlags auf die Präsidentenresidenz im November verdächtigt wurden.

Sondersitzung der afrikanischen Union

Die frühere Kolonialmacht Portugal und die Afrikanische Union (AU) verurteilten die Anschläge auf Vieira und Na Wai und forderten die Einhaltung der Verfassung. Der AU-Friedens- und Sicherheitsrat sollte auf einer Sondersitzung über die Lage in Guinea-Bissau beraten.

Der früher als Militärmachthaber regierende Vieira war in den 90er Jahren in einem Bürgerkrieg gestürzt worden. 2005 gelang ihm bei Wahlen die Rückkehr an die Macht. Zuletzt gab es anhaltende Feindseligkeiten zwischen ihm und Generalstabschef Na Wai. Seit dem Angriff auf seine Residenz im November ließ sich Vieira von einer 400 Mann starken Miliz bewachen. Im Januar beschuldigten die Streitkräfte diese Truppe eines Angriffs auf Na Wai. Obgleich die Miliz bestritt, dass es sich dabei um einen Mordanschlag gehandelt habe, ordnete das Militär daraufhin ihre Auflösung an.

Guinea-Bissau ist etwa so groß wie Baden-Württemberg und hat 1,6 Millionen Einwohner. In dem Land kommt es seit Jahren immer wieder zu Staatsstreichen und Kämpfen zwischen verfeindeten Gruppen in Politik und Militär. Internationale Drogenbanden benutzen die wenig bewachte Küste und entlegene Landebahnen des armen Landes als Zwischenstation, um Kokain aus Südamerika nach Europa zu schmuggeln.

Reuters/DPA DPA Reuters

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